Bier ohne Gedöns – und (fast) ohne Promille

Die Brau-Wirtschaft steckt in der Krise, Umsatz und Gewinn sinken. Nur die alkoholfreien Sorten boomen. Ich habe mich einem Langzeittest unterzogen, Hopfen von Malz getrennt und dabei sogar richtig gut mundende Sorten entdeckt.
Von Konrad Schnabel (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 7. August 2026
Alkoholfreies Bier von Füchschen, Schumacher, Bolten, Schlüssel und Uerige

Foto: Andreas Endermann
Auch Alt-Biere aus Düsseldorf und der Region gibt es inzwischen mit wenig oder ganz ohne Alkohol.

Der Begriff „Alkoholfreie Alkoholika“ ist schon lange kein Widerspruch in sich mehr. Ob Aperol, Wein, Sekt oder Gin – besonders Menschen, die in diesem Jahrtausend geboren wurden, greifen ganz selbstverständlich zur entschärften Variante. Im Getränkemarkt muss man „normales“ Bier inzwischen fast schon suchen. Immer mehr Sorten an „gefärbtem Wasser“ überschwemmen den Markt. Dabei befindet sich der Bierabsatz in Deutschland auf einem historischen Tiefstand. Immerhin wurden 2025 noch rund 7,8 Milliarden Liter verkauft, was einem Minus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Pro-Kopf-Konsum ist auf rund 88 Liter gesunken.

Die Infusion der kastrierten Biere kann das Minus nur bedingt abfedern. Im Schnitt trinkt der Deutsche davon neun Liter pro Jahr. Das sind zwar nur knapp zehn Prozent des beschwipsenden Umsatzes, aber der Pegel steigt stetig.

Das ohne Prozente ist eine isotonische und kalorienärmere Alternative zur klassischen Hopfenkaltschale. Es wird entweder durch Gärungsstopp oder nachträglichen Alkoholentzug (Vakuumdestillation: weniger süß) hergestellt. Alkoholfrei dürfen sich auch die Gerstensäfte mit einem Restalkohol bis maximal 0,5 Prozent Volumen nennen. Völlige Promillefreiheit besitzen ausschließlich die Produkte mit dem Zusatz 0,0 Prozent (manche Sorten davon können bis zu minimalen 0,03 Prozent alkoholische Spuren aufweisen). Komisch, dass ausgerechnet die entschärften Varianten an der Verpackungsfarbe Blau erkennbar sind. Die meisten Flüssigbrote sind zwar zuckerarm und fettfrei, enthalten aber doch die eine oder andere Kalorie. Bei einem Liter hat man locker 1200 Kilokalorien intus.

Bedenklich ist der Konsum von alkoholfreiem Bier nicht, allerdings ist es auch kein Gesundheitsprodukt. So kam es auch zu einem Skandälchen, als der Ex-National-Torhüter Jens Lehmann seinen minderjährigen Kinder „alkoholfreies“ Erdinger Weißbier als Durstlöcher gab und die pädagogische Maßnahme mit der hohen Isotonie sowie den vielen Vitaminen und Mineralstoffen des Getränks rechtfertigte. Den Restalkohol hatte er wohl beim Kleingedruckten übersehen. Mittlerweile werden auch einige Weizen- und Mischbiere komplett prozentlos produziert, prickeln aber trotzdem im Bauchnabel.

Bleifreies Alt
Dass man selbst in den Düsseldorfer Brauhäusern nicht mehr verhöhnt wird, wenn man „bleifrei“ bestellt, liegt auch daran, dass der Zeitgeist auch durch die alten Stuben geweht ist. Umdrehungsarmes gibt es längst von Füchschen, Uerige und bei der Korschenbroicher Konkurrenz Bolten. In puncto Geschmack, Design und Preis hat das Naturtrübe aus Korschenbroich namens „Boltens Oh!“ bei den Obergärigen knapp die Nase vorn. Aber auch die heimischen Hausbrauereien bewegen sich geschmacklich nah am Original.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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