Ist das noch ein Kiosk? Altstadt-Wirt spaltet Oberkassel
Schön, aber teuer. Urbanes Leben der feinen Art, Restaurants, Bars, Läden – alles da, und zwar reichlich und mit einem gewissen Anspruch. Viele der Menschen in Oberkassel mögen das, für sie ist es exakt dieses Lebensgefühl, das sie gesucht und dort gefunden haben. Dass sie dafür deutlich mehr bezahlen als an den meisten anderen Adressen der Stadt gehört dazu, wird nicht nur akzeptiert, es ist Teil der Feel-good-Vibes. Dazu gehört ein gewisser Chic, das abendliche Geplauder und Gelächter auf den zahlreichen Terrassen von Barbarossa- und Belsenplatz oder an der Luegallee.
Die Altstadt-Ikone La Bouillabaisse wusste, warum sie das Viertel im Spätsommer 2025 als neue Adresse wählte. Auch der gastronomische Tausendsassa Walid El Sheikh (Sir Walter, Fett Weinbar, HotelHotel) weiß, warum er sich dort sein neues Objekt suchte. New International Club Stop heißt das Lokal an der Sonderburgstraße, und es hat zwei Jahre gedauert, bis es erstmals Gäste begrüßen durfte. Denn: Obwohl Muggel mit stets belebter Terrasse und das quirlige Saitta-Imperium nur einen Steinwurf entfernt sind, gingen dort Nachbarn auf die Zinne und versuchten, dem Lokal den Hahn abzudrehen, bevor überhaupt erstmals Luft aus einem Glas gelassen wurde.
Gelungen ist das nur im Ansatz, aus der ursprünglich geplanten Wein-Bar wurde ein „Kiosk“. Dieses Wort mit An- und Abführung zu schreiben ist berechtigt, weil dort nicht die bunte Tüte oder eine Packung Marlboro über den Tresen geht, sondern ein vom Eigentümer Walid El Sheikh sorgsam ausgesuchtes Sortiment an feinen Happen und Getränken. Dass da schnell der Vorwurf im Raum stand, der findige Mann trickse Nachbarschaft und Stadt aus, verwundert nicht. Aber er hielt sich an die Vorgaben, und nun läuft der Laden. Und wie. Ich war jetzt zweimal am späten Nachmittag da. Mein Eindruck: Vor einem „Kiosk“ habe ich noch nie so viele Menschen gesehen.
Gäste kommen in Scharen
Und genau liegt das Problem: Der New International Club Stop ist ruckzuck zum hell leuchtenden Kometen am gutbürgerlichen Himmel Oberkassels geworden. Das erwünschte Publikum kommt in großer Zahl „anne Bude“, und prompt ploppen die Proteste wieder hoch. Begehrtes urban feeling hier, sich gestört fühlende Anwohner dort.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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