Düsseldorfer Kolonialträume und ihre Folgen
Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Düsseldorf eine neue Forschungsstelle an der Heinrich-Heine-Universität finanzierte. Diese sollte sich dem Anteil regionaler Akteure an der deutschen Kolonialgeschichte zwischen wirtschaftsgetriebenem Imperialismus und Völkermord widmen. Seitdem hat sich der Historiker Lukas Sievert für seine Promotionsschrift und ein Buch namens „Düsseldorf zwischen Welthandel und Kolonialbewegung“, das Ende Juni vorgestellt werden soll, durch diverse Archive gewühlt. Das hat er bei seiner Forschung herausgefunden:
1. Am Anfang stand der Wunsch nach Handel
Das Rheinland und das angrenzende Ruhrgebiet gehörten zu den wirtschaftlich erfolgreichen Regionen des 19. Jahrhunderts. In den 1820er-Jahren, zu denen Sieverts Forschung beginnt, wird Düsseldorf preußisch. In der Region dominierten Textilindustrie und Klingenfertigung. Es folgte die Montanindustrie, Düsseldorfs Ruf als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ begann. Die Kolonialismus-Befürwortung in der Region hing eng mit dem regionalen wirtschaftlichen Erfolg zusammen. „Die Motivation war von Anfang an, die Fertigungsindustrie des Binnenlandes mit dem Weltmarkt zu verknüpfen“, sagt Sievert.
2. Kolonialismus war in Düsseldorf ein Elitenprojekt
Lukas Sievert konzentriert sich in seiner Forschung stark auf den „Westdeutschen Verein für Colonisation und Export“, einen der ersten Vereine der deutschen Kolonialbewegung. Gegründet 1881 in Düsseldorf war er dominiert von Düsseldorfer Persönlichkeiten wie den Industriefunktionären Henry Axel Bück und Rudolf Poensgen oder dem Bankier Christian Trinkaus. Das Großbürgertum war in der gesamten Region die treibende koloniale Kraft, ähnliches gilt für das frühe Drängen auf den Weltmarkt. „Es war keine Massenvereinigung, sondern eine Elitenbewegung.“
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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