Wehrdienst, Ja bitte!

Die Pflicht-Musterung ist zurück in Deutschland. Es ist eine Entwicklung, die vor allem junge Menschen politisiert. Im zweiten Teil unserer Serie kommen diejenigen zu Wort, die sich früher und heute für die Bundeswehr entschieden haben.
Von Marc Latsch (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 11. Juni 2026
Thorsten Breitkopf
Thorsten Breitkopf war in den 1990er Jahren bei der Bundeswehr und ist ihr bis heute verbunden geblieben.

Der prägendste Wehrdienstleistende in meinem Leben war mein Vater. Als er Anfang der 1970er-Jahre eingezogen wurde, war die Verweigerung noch ein seltenes Phänomen. Wer nicht zur Bundeswehr wollte, musste seine Gewissensgründe einem Prüfungsausschuss vorstellen. Es war ein Weg der Außenseiter, gerade in einem kleinen Westerwälder Dorf, wie jenem, in dem mein Vater aufgewuchs. Also ging er zur Bundeswehr.

Ich weiß nicht sehr viel davon, außer dass es keine sehr gute Zeit gewesen sein muss. Statt von der Kaserne erzählte er lieber von den Fußballspielen im Münchener Olympiastadion, die von Fürstenfeldbruck gut erreichbar waren. Den Rest kann ich mir zumindest vorstellen. Gehorsam, Unterordnen – das waren auch später nicht seine Stärken.

Dass mein Vater überhaupt zur Bundeswehr musste, lag an der Wehrpflicht, die 1956 eingeführt und 2011 ausgesetzt wurde. Das Ziel dahinter, eine 500.000-Mann-starke Armee zu schaffen, wurde fast erreicht. Die Zahl der Wehrdienstleistenden fiel von 250.000 (1977) auf 80.000 (2008), die Gesamtstärke der Armee von rund 480.000 vor der Wiedervereinigung auf Stand jetzt rund 185.000 aktive Soldat:innen.

Dass seit diesem Januar wieder alle 18-Jährigen von der Bundeswehr angeschrieben werden und die Männer unter ihnen zur Musterung verpflichtet sind, hat viel mit diesen Zahlen zu tun. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius plant mit 260.000 aktiven Soldat:innen, nach Nato-Vorgaben muss Deutschland bis 2035 sogar rund 460.000 Soldat:innen bereitstellen können. Es sind Zahlen, die der Abschreckung dienen und Russland von einem möglichen Angriff auf Nato-Gebiet abhalten sollen.

Es ist eine Entscheidung, die polarisiert. In diesem Text kommen ein aktueller, ein ehemaliger Wehrdienstleistender und die Bundeswehr selbst dazu zu Wort.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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