Haare färben? Campino sagt Ja

Früher oder später steht man(n) vor diesem Problem: Auf dem Kopf ist alles grau, weiß, schütter oder kahl. Ein radikaler Schnitt zwecks Glatze kann die Lösung sein, aber vorher ist auch eine Tönung möglich. Anders als Frauen tun sich Männer jedoch schwer, wenn es um die Kolorierung des Schopfes geht.
Veröffentlicht am 12. Juni 2026
NRW Staatspreis fuer Andreas GURSKY
Der Sänger der Toten Hosen ist vor kurzem erneut Vater geworden. Passend dazu änderte sich auch die Haarfarbe. Foto: Imago

Vorab die persönliche Lage: Die ersten grauen Haare sprossen mit knapp unter 30. Das liegt in der Familie. Vater war komplett grau mit Anfang 40, weiß vor seinem 60. Geburtstag. Haarlos war er bis zu seinem Tod mit 87 nie.

Bei mir war der jugendliche Schopf lange schwarz, dicht und wild gelockt, fiel bis auf die Schulter. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, gegen die sich im Laufe der Zeit ändernde Farbgebung etwas zu unternehmen. Warum auch? Zudem ergraute ich zu Zeiten, in denen noch offen über einen Zusammenhang von grauen Schläfen und männlicher Attraktivität gesprochen werden durfte. Mir gefiel der Gedanke. Selbst ohne jede Ahnung von seinem Wahrheitsgehalt.

Als das Melierte sich in komplettes Grau verwandelte und schließlich da oben alles weiß wurde, war mir das ebenfalls egal. Nicht zuletzt, weil mein großes Vorbild Ernest Hemingway noch als Weißhaariger (plus Bart in selbiger Farbe) wirklich große Literatur schuf und nie altbacken wirkte. Im Gegenteil: Das protzte alles nur so von starker Sprache und Männlichkeit. Damals imponierte mir das. Heute würde man wohl das Adjektiv „toxisch“ davor platzieren. Ich lese ihn aber immer noch gerne.  

Nur die sich neuerdings ausbreitende Lichtung ganz oben, beim Friseur im schräg über mir gehaltenen Spiegel sichtbar, finde ich unansehnlich. Sie sieht aus wie ein Flecken im schlecht gesäten Rasen, ist eine Störung der bisher wunderbar funktionierenden Haarmonie. Der Lauf der Dinge, ganz klar – aber einer, der mir nicht gefällt.   

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

Unser Journalismus ist werbefrei und unabhängig, deshalb können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Sichern Sie sich unbegrenzten Zugang mit unserem Start-Abo: die ersten sechs Monate für insgesamt 1 Euro. Danach kostet das Abo 10 Euro monatlich. Es ist jederzeit kündbar. Alternativ können Sie unsere Artikel auch einzeln kaufen.

Start-Abo: 6 Monate für 1 Euro

Artikel einzeln kaufen (2 EUR)

Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?

Hier einloggen


Lust auf weitere Geschichten?