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Die Toten Hosen Gerhard Polt Well-Brüder
Campino (links) und Gerhard Polt am Rande ihres Auftritts in Altusried im Allgäu. Alle Fotos: Andreas Endermann

Campino und Gerhard Polt: „Wir sind uns treu – obwohl wir uns kennen“

Die Toten Hosen touren mit dem bayrischen Kabarettisten und den Well-Brüdern. Im Interview mit VierNull sprechen die Beteiligten über wechselseitige kulturelle Aneignung, ein gemeinsames Mozart-Stück und darüber, was Campinos Sohn einmal erben wird.
Veröffentlicht am 26. Juli 2023

Gelsenkirchen und Amphitheater klingt so naheliegend wie Die Toten Hosen und Alphörner. Aber beides gibt es tatsächlich und an diesem Montag sogar in Kombination. Die Düsseldorfer Band ist mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern (früher Biermösl Blosn) unterwegs und spielen an diesem Abend am Rhein-Herne-Kanal. Die drei Parteien sind seit Jahrzehnten befreundet und gehen immer mal wieder gemeinsam auf Tournee. Das neue Programm heißt „Forever – Eine kulturelle Zumutung“.

Während sie früher nach- und nebeneinander gespielt haben, agieren die Beteiligten diesmal gemeinsam. Die Well-Brüder bekommen für ihre satirische Volksmusik rheinische Rockunterstützung und Gerhard Polt verschiedene Partner für seine Kabarett-Nummern. Die Hosen spielen weitgehend ohne Strom, dafür mit bayrischer Instrumental-Unterstützung von Harfe bis Tuba – und eben Alphorn. Die Band erscheint bei den Auftritten so entspannt und neugierig wie einst bei ihren Unplugged-Konzerten. Am Ende des Abends singen die Fans „Oh wie ist das schön“, den neun Protagonisten gehen die Zugaben aus und Schlagzeuger Vom Ritchie verliert beim Schuhplattlern seine Hausschlüssel.

Vor diesem Auftritt habe ich Campino, Gerhard Polt und Michael Well im Tourbus zum Interview getroffen. Wir sind im Gespräch von Wackersdorf und Freundschaft auf Trompetenunterricht in Mettmann und Schildkröten gekommen.

Eure Freundschaft begann 1986 beim Anti-WAAhnsinns-Festival gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Ihr habt dort Fußball gegeneinander gespielt. Wie kann eine Freundschaft ausgerechnet in einem Duell ihren Anfang nehmen?

Campino: Das war nur ein bisschen Gebolze hinter der Bühne. Da war jeder gerne gesehen, der freiwillig mitgemacht hat. Und das war allemal besser, als sich die anderen Bands anzuhören. Wir waren da echt die Exoten. Ich muss zugeben, dass ich vorher von den Biermösl Blosn noch nie etwas gehört hatte. Rein äußerlich waren die nicht von anderen Volksmusikkapellen zu unterscheiden. Aber als sie dann auf die Bühne gegangen sind – das war eine Offenbarung.

Wackersdorf ist dann nie gebaut worden. Was wollt ihr nun mit euren aktuellen Auftritten verhindern?

Gerhard Polt: Da konnten wir damals nichts dafür. Das hat die Großindustrie so entschieden. Die Politik hätte es durchgezogen, die Proteste haben nichts genutzt. Das ist so wie jetzt beim Nethanjahu. Das ist bei fast allen Protesten, bei denen wir dabei waren, so gewesen. Die sind nicht gelungen. Aber wir geben nicht auf.

Warum nicht?

Gerhard Polt: Man sagt doch: Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.

Michael Well: Mit unseren jetzigen Auftritten gehen wir es eher entspannt an. Wir bringen Entspannung rein, wo es sich zu verhärten scheint, und näheren uns in Ruhe den Grenzen.

Gerhard Polt: Vive la différence (Es lebe der Unterschied)

Campino: Humor ist eine super Waffe gegen die Umstände, gegen das, was nervt, und um auch die bitteren Zeiten durchzustehen.

Michael Well: Unser Thema dabei ist die Frage „Wo geht das hin?“

Gerhard Polt: Was geht wo hin?

Michael Well: Die Polarisierung und Abneigung.

Gerhard Polt: Die geht scho‘ irgendwo hin.

Auf mich wirkt das neue Programm wie eine große Integrationsmaßnahme für die Toten Hosen in die bayerische Kultur. Wie gut lassen sie sich integrieren?

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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