Der neue Rat (7): Grüne müssen klein anfangen
Es war ein seltsamer Spätsommer 2025 für die Düsseldorfer Grünen. Bei der OB-Wahl schafften sie es erstmals in die zweite Runde, bei der Ratswahl schnitten sie besser ab, als sie angenommen hatten. Zugleich schlug ihnen im Rathaus wenig Liebe entgegen. Oberbürgermeister Stephan Keller und führende CDU-Politiker versteckten ihren Unmut über fünf Jahre schwarz-grünes Bündnis kaum.
SPD und FDP hofften aus zunächst guten Gründen, dass sie an der Mehrheit beteiligt werden – und grenzten sich daher auch bestmöglich von den Grünen ab. Nicht einmal die Linke sprach eine Empfehlung für Kandidatin Clara Gerlach in der Stichwahl aus.
Um so überraschter waren am Ende alle Beteiligten, dass sich der Oberbürgermeister doch für eine Koalition mit den Grünen entschied. Mit Betonung auf Koalition. Man bringt nun alle Anträge und Anfragen zusammen ein und stimmt stets gemeinsam ab. Unterschiedliche Mehrheiten waren in der vorherigen Legislaturperiode ein Grund für die schlechte Stimmung.
Die Grünen scheinen diese Phase im September und Oktober auch für eine Selbstreflektion genutzt zu haben. Sie haben sich wohl auch mit ihrem Anteil an den Streitigkeiten beschäftigt und festgestellt, dass es nicht nur der dominante Oberbürgermeister war, der die Probleme verursachte. Nun im zweiten Bündnis sprechen die Beteiligten deutlich mehr mit- als übereinander.
Der Koalitionsvertrag unterscheidet sich deutlich vom vorherigen Kooperationsvertrag. Ich habe das in der Geschichte „Kann Spuren von Grün enthalten“ analysiert. Die Vorhaben von Schwarz und Grün spiegeln vor allem die Wahlversprechen von Stephan Keller wider. Die erwähnten Spuren des kleineren Koalitionspartners fand man in den Kapiteln über Wohnen, Klima, Parken, Gleichstellung und Kultur.
Das Papier war für die Grünen schon bitter, die Wirklichkeit der städtischen Haushaltskrise ist es noch mehr. Wie die Fraktion damit umgeht und wie loyal sie im ersten Jahr nach der Kommunalwahl war, erörtere ich in der letzten Folge meiner Serie zum neuen Stadtrat. Dazu stelle ich prägende Persönlichkeiten und ein neues Gesicht, politische Erfolge und Pleiten vor.
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