Zwischen Hochhäusern und Honigwaben
Susanne Jückel kann den Blick nicht von der kleinen Welt in ihrer Hand lösen. Sie hat Videos über Honigbienen gesehen, Fachartikel gelesen, weiß, wie ein Bienenstock funktioniert – theoretisch. Heute kommt sie mit den Insekten erstmals direkt in Kontakt und schüttelt über das, was sie sieht, verwundert den Kopf.
Auf dem Wabenrahmen, den sie hochhält, tummeln sich Hunderte Tiere. Sie krabbeln hektisch übereinander, putzen sich, verschwinden in Löchern, heben ab, landen wieder. Es scheint keine Ordnung zu geben, nur Chaos.
Doch jede dieser winzigen Arbeiterinnen erfüllt eine klare Rolle. Manche klettern in die Waben und säubern sie, andere füttern die Larven oder formen das Wachs zu einer Struktur, die seit Jahrmillionen nahezu unverändert ist: sechseckig, lückenlos, effizient.
Die Bienen beachten Jückel nicht. Dafür sind sie zu beschäftigt. Die Düsseldorferin wollte immer schon sehen, wie alles im Bienenstock ineinandergreift und 35.000 Tiere zu einem Organismus verschmelzen, der auf ein Ziel hinarbeitet: das Überleben des Volkes. Nun ist sie Zentimeter von diesem Mikrokosmos entfernt, hat ein breites Lächeln im Gesicht. „Es ist noch beeindruckender, als ich gedacht habe.“
Bald will sie einen Bienenstock im eigenen Garten aufbauen. Mit einem Volk ist ihre Frau einverstanden – solange der Stock nicht zu nah am Haus steht. Erste Honigbestellungen aus dem Bekanntenkreis gibt es bereits. Jückel ist aber vor allem wichtig, dass es ihren Tieren später gut geht. Sie hat Respekt davor, Verantwortung für ein Volk zu übernehmen, will sich gut darauf vorbereiten.
Darum steht sie an diesem Samstagnachmittag mit acht anderen Teilnehmern des Einsteigerkurses für Hobbyimker auf dem Dach des Leonardo Hotels in der Düsseldorfer Innenstadt. Besonders bienenfreundlich sieht es hier nicht aus.
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