Uhrenraub-Prozess in Düsseldorf: Ein paar Sekunden für Hunderttausende Euro

Zwei Männer haben an der Oststraße eine Richard Mille im Wert von bis zu 800.000 Euro erbeutet. Vor dem Landgericht ging es um die Statussymbole einer Parallelwelt sowie diejenigen, die damit schnelles Geld verdienen wollten – und nun hinter Gitter müssen.
Veröffentlicht am 28. Mai 2026
Uhrenraub Richard Mille
So sah die Uhr aus, die in Düsseldorf erbeutet wurde. Foto: Polizei

Der Hauptdarsteller dieses Prozesses ist aus Carbon, Quartz, Saphirglas und einem blauen Kautschukarmband. Er hat einen Durchmesser von 43,2 mal 50 Millimetern und ist laut Hersteller rund 500.000 bis 800.000 Euro wert. Die Richard Mille RM 035, in ihrer nach dem spanischen Ex-Tennisprofi Rafael Nadal benannten weißen Ausführung, befand sich bis zum 3. April 2025 in Besitz eines heute 60-jährigen Immobilienkaufmanns aus Bochum. Als der nach einem Kö-Bummel mit seiner Frau bei ihrem gemeinsamem Stamm-Japaner an der Oststraße essen gehen wollte, packte ihn ein Mann von hinten, der andere riss ihm die Richard Mille vom Handgelenk. „Rein handwerklich war das eine ordentliche Arbeit“, sagt der Geschädigte rund ein Jahr danach vor dem Düsseldorfer Landgericht. „Die wussten ganz genau, wo die Schwachstelle der Uhr ist.“  

Luxusuhren-Diebstähle sind in Deutschland eine gut laufende kriminelle Industrie. Häufig geben die meist männlichen Täter falsche Identitäten an und arbeiten für Menschen im Hintergrund, die sich sehr gut damit auskennen, wie viel Wert jemand an seinem Handgelenk trägt. In einer Spiegel-TV-Kurzdoku aus dem Januar dieses Jahres ist zu sehen, wie eine Tätergruppe vorgeht und wie Zivilfahnder sie dabei überraschen. Dort wie hier waren die Uhrenräuber mutmaßlich zu dritt. Einer fuhr das Fluchtauto, zwei andere schlugen gemeinsam zu. In Düsseldorf stehen zwei zuletzt im Ruhrgebiet gemeldete Rumänen vor Gericht, ein dritter wird gesondert verfolgt. Ein Dolmetscher übersetzt für sie simultan den Prozess.

Gemeinsam ist den mutmaßlichen Tätern und dem Geschädigtem offenbar die Vorliebe für Marken. Auf der Anklagebank trägt T. am ersten Verhandlungstag einen Kapuzenpullover mit Adidas-Schriftzug und S. eine schwarze Jacke mit Calvin-Klein-Logo. Beide gestehen ihre Beteiligung an dem Raub an der Oststraße. Geplant hätten sie ihn allerdings nicht, wären mehr zufällig in das Ganze hineingeraten. Den Tatplan hätte der dritte von ihnen gefasst, der wohl auch das Sagen hatte. „Ich kann auch nicht verstehen, warum ich das gemacht habe“, lässt sich S. übersetzen. Er war es, der den Geschädigten von hinten fixierte, damit dessen Uhr geraubt werden konnte.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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