Kämpfen wie im Mittelalter

Ein ehemaliger Beleuchtungsmeister, eine Frau im Comic-Katzen-Shirt und Anfänger mit schmerzenden Unterarmen: In einer Schwertschule in Düsseldorf trainieren Menschen Kampftechniken aus dem 14. Jahrhundert. Ich habe mitgemacht und einiges über Vertrauen, Körpergefühl und mentale Stärke gelernt.
Von Christoph Wegener (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 27. Mai 2026
Selbstversuch von Christoph Wegener im mittelalterlichen Schwertkampf an der Schwertschule DüsseldorfFoto: Andreas Endermann
Schlagen, blocken, zurück in die Ausgangsposition: Christoph Wegener (rechts) beim Partnertraining mit mittelalterlichen Kampftechniken.

Die Klinge schneidet durch die Luft, sie hat mein Gesicht fast erreicht. Ich drehe das Schwert, halte es schützend vor den Körper. Metall schlägt gegen Metall, ein Ruck geht durch meine Unterarme. 

„Alles gut?“, fragt mein Trainingspartner Philipp. „Ja“, antworte ich, muss aber kurz durchatmen. Lange habe ich Kampfsport gemacht, Übungen mit japanischen Holzschwertern gehörten dazu. Eine Stahlklinge abzuwehren, ist eine andere Nummer, selbst wenn sie stumpf ist. Sobald sich das Schwert auf mich zubewegt, schüttet mein Körper Adrenalin aus und kennt nur ein Ziel: Bloß nicht getroffen werden. 

Der Block funktioniert, Philipps Schwert bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Ich sammle mich und nicke ihm zu. Er macht einen Schritt zurück, holt zum nächsten Schlag aus. Heute schwingen wir beide zum ersten Mal ein echtes Schwert, haben vor zwei Minuten zum ersten Mal ein Wort gewechselt – und müssen einander nun voll vertrauen. Dass ich so schnell in diese Situation komme, überrascht mich. Es ist nicht der einzige unerwartete Moment an diesem Abend. 

Eine halbe Stunde zuvor stehe ich in einem Hinterhof in der Nähe vom Wehrhahn und klingle. Ein Mann mit grauem Bart, breitem Kreuz, voll tätowierten Armen und wachem Blick bittet mich herein. Er heißt Uwe Schneevoigt und wird heute der Trainer bei meiner Probestunde im historischen Schwertkampf sein. Selbst sein Nachname klingt nach Vergangenheit. Er hat sie zu seinem Beruf gemacht – und dafür modernster Technik den Rücken gekehrt. Aber dazu später mehr. 

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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