Geschichten aus der Meerbar

Vor dem Restaurant im Düsseldorfer Medienhafen schoss im Dezember der Türsteher-Chef auf zwei Menschen. Einer hat seitdem einen dauerhaften Hirnschaden. Vor dem Landgericht präsentiert eine gut vernetzte Parallelwelt dazu mehrere sich widersprechende Erzählungen.
Veröffentlicht am 3. Juni 2026
Zwei Schwerverletzte vor einer Bar – Eine Person in Handschellen abgeführt – Spurensicherung durch die KTU
Spurensuche vor der Meerbar, an deren Tür der Streit begann. Foto: Patrick Schüller

Eigentlich waren alle Beteiligten irgendwie Freunde. Der Türsteher und der 54-Jährige, dem er in den Kopf schoss. Der Türsteher und der Onkel des 19-Jährigen, dem er in die Hüfte schoss. Alle, die sich in der Nacht zum 14. Dezember 2025 vor der Meerbar trafen, weil der Sohn des 54-Jährigen und sein Kumpel nicht reingelassen wurden, kannten sich schon länger. Sie waren Stammgäste, Kampfsportkollegen, gute Bekannte. Und doch reichte ein einfaches Abweisen an der Tür eines vollen Restaurants für eine Eskalation mit zwei Schwerverletzten. Der Türsteher hat geschossen. So viel steht fest. Zu allem Weiteren gibt es nach drei Prozesstagen mehr Fragen als Antworten.

Der Zuschauerraum im Landgericht ist vollbesetzt, als sich die Beteiligten am Freitag, rund ein halbes Jahr nach der Tat, erstmals wieder gegenübersitzen. Auf der einen Seite der 49-jährige Angeklagte, der seine dunklen Haare nach hinten gegelt hat, weißes Hemd mit hohem Kragen und schwarzen Anzug mit Einstecktuch trägt. Auf der anderen Seite der 19-jährige K., auf den er einmal, und der 20-jährige L., auf dessen Vater er mehrfach in dieser Nacht geschossen hatte. Der Vater kann an der Verhandlung nicht teilnehmen. Er ist ein schwerer neurologischer Pflegefall. Bei der letzten Begutachtung, die später eine Sachverständige vorträgt, reagierte er gar nicht auf Kommunikationsversuche.

Dazu, warum der Türsteher auf zwei Menschen schoss, ist manches unstrittig. L. und ein weiterer Mann wollen am späteren Abend wieder in die Meerbar, in der sie vorher schon einmal waren. Der Laden ist voll, sie kommen nicht hinein. Nachts kehren K., L. und sein Vater G. zurück, um das „zu klären“. Die Situation eskaliert. Der Türsteher, ein in Wuppertal aufgewachsener griechischer Staatsbürger, schießt mehrfach auf G. und einmal auf K. Hierfür steht er wegen versuchten Totschlags, gefährlicher und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Das sind die Fakten. Dazu, wie es so weit kommen konnte, gibt es zwei grobe Versionen. Und keine davon klingt so wirklich nach der Wahrheit.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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