Freie Szene protestiert gegen VierNull-Text

Hans Onkelbach hat in unserem Newsletter die finanziellen Erwartungen von Kulturschaffenden kritisiert. Vertreterinnen und Vertreter der Freien Szene haben uns geschrieben und ihre Sicht auf das Thema geschildert. Die Beiträge zur Diskussion kann man hier lesen.
Von Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 4. August 2026
Zakk an der Fichtenstraße 40 in Düsseldorf Flingern
Die Halle des Zakk ist einer der zentralen Orte der Freien Szene in Düsseldorf.

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Im VierNull-Newsletter hat sich Hans Onkelbach mit der Freien Kulturszene in Düsseldorf und ihren finanziellen Erwartungen an die Stadt auseinandergesetzt. Die Reaktionen darauf waren intensiv, es gab Abo-Kündigungen und zum Teil deftige Kritik an dem Text. Die Positionen beider Seiten ergeben eine intensive Debatte über die Freie Szene, was sie ausmacht und warum sie für die Macherinnen und Macher förderungswürdig erscheint.

Diese Debatte stellen wir hier mit allen Beiträgen sowie den Namen der Absenderinnen und Absender dar. Zum besseren Verständnis stellen wir den Text von Hans Onkelbach an den Anfang.

Der Text im VierNull-Newsletter am 30. Juli
Hiermit präsentiere ich Ihnen eine Idee, von der ich schon lange begeistert bin: Ich möchte im Hofgarten neben dem dort stehenden Hirsch (übrigens ein Kronenhirsch erster Güte) und vor allem in Sichtweite von Schloss Jägerhof ein Jagd-Kulturzentrum gründen. Es soll sich mit der Historie des edlen, wenn auch umstrittenen Waidwerks, seinen politischen und gesellschaftlichen Hintergründen und segensreichen Einfluss auf Umweltschutz (Jäger sind die echten Grünen!), Kultur und Ernährung („Bio-Fleisch“) beschäftigen.

Auf einer kleinen Bühne stelle ich mir dort das Folgende vor: Lesungen („Bocksgesang“ von Franz Werfel, Bezug nehmend auf griechische Tragödien), Theater (wo es den Titel „Jagdfieber“ mehrfach gibt), Kino („Schonzeit für Füchse“ von Peter Schamoni) oder musikalische Stücke (Die Jagdkantate von Johann Sebastian Bach, Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ oder Joseph Haydns Stücke für Jagdhörner).

Im hauseigenen Ton-Studio plane ich als Gegengewicht zu kompetenzfreier Berichterstattung zum Thema Jagd den medienkritischen Podcast „Blattschuss“. Einmal pro Monat lade ich in unserer Show-Küche zu Kochkursen ein. Carpaccio vom Rehrücken, Wildschweingulasch oder Hirschragout stehen auf dem Speiseplan – alles wirkliches Bio-Fleisch.

Ein mit einer Webcam verbundener Flatscreen zeigt im Foyer permanent den unverstellbaren Blick aus der Jagdkanzel „Bellevue“ meines hessischen Reviers bei Marburg in die weite Landschaft. Diesen Endlosstreifen bei der Biennale in Venedig in der Rubrik „None-Actor-Movie“ zu zeigen, wird Düsseldorf gewiss als Cineasten-Hauptstadt neuen Schwung geben. Fazit: Kultur vom Feinsten.

Von der Stadt das Grundstück zu bekommen, wird kein Problem sein, denke ich. Sollte ich beim womöglich ignoranten Publikum auf geringes Interesse stoßen, also zu wenig Einnahmen generieren, fordere ich das Rathaus und andere finanziell potente Stellen auf, meinen Spaß mit Zuschüssen über Wasser zu halten. Denn nach dem Aus für die Oper sollte trotz aller Sparprogramme dafür Geld da sein. Schließlich bereichere ich das kulturelle Angebot der Stadt, wenn auch nur für eine überschaubare Zielgruppe von ein paar hundert Jägern in Düsseldorf plus sicher etliche potenziell interessierte Menschen. Mich selbst nicht zu vergessen!

Meine Definition eines erweiterten Kulturbegriffs entzieht sich jedenfalls jeder Kritik. Das weiß ich aus meinem Umfeld, das voller Stolz davon erzählt, die so genannte Freie Szene toll zu finden, sich aber komischerweise nur mit Mühe erinnern kann, wann dort was angeschaut und dafür bezahlt zu haben. Alles klar?

 Sollten sie jetzt erstaunt eine Augenbraue heben, den oben beschriebenen Plan unverschämt finden (und hoffentlich die Ironie erkennen), gehören Sie keineswegs zu einer Minderheit. Vielmehr sind Sie Teil einer großen Gruppe der Düsseldorfer Gesellschaft, der beispielsweise ein Marionetten-Theater oder das Theater der Klänge entweder egal ist oder es gar nicht kennt oder auf keinen Fall gegen Geld besuchen würde. Das kann mehrere Gründe haben, und sie alle sind okay – niemand ist gezwungen, sich das anzuschauen, was für Freie-Szene-Fans der Mittelpunkt ihrer Welt ist.

Natürlich haben auch die das Recht, so etwas gut zu finden. Keinen Automatismus gibt es dagegen bei der Frage, ob die öffentliche Hand es finanzieren muss: Nein, muss sie nicht.

Eine bunte Truppe unterschiedlicher Kreativer ist nice to have, den man sich leistet, wenn die Kassen gefüllt sind. Aber wenn dies nicht der Fall ist und die – leider oft intoleranten – Macher dieser Art von Unterhaltung es nicht schaffen, ausreichend Menschen so zu begeistern, dass mindestens ein nennenswerter Teil ihrer Kosten reinkommt oder man sogar davon leben kann, ist die Regel simpel: Du hast ein Produkt, das nur wenige wollen? Dann hör‘ auf damit, umsonst Geld und Zeit investieren, oder bezahle es selbst und bettele nicht um Hilfe für eine Sache, die außer Dir nur noch wenige andere schön finden. Auch das Argument, man sei ja eine Art fruchtbares Kultur-Biotop, aus dem Großes sprießen könne, zieht auf Dauer nicht. Denn wer sich nie vom Tropf der öffentlichen Kassen lösen kann, also allein nicht lebensfähig ist, hat keine Perspektive. 

Das wäre so, als würde VW ein Auto mit nur drei Rädern bauen, das am Markt keine Chance hat, aber dennoch staatliche Hilfe dafür verlangen, weil es von einigen hundert Menschen zusammengeschraubt wird, deren Jobs bedroht sind.

Und ja, mir ist klar, dass Oper, Schauspielhaus, Tonhalle und Düsseldorf Festival ohne Zuschüsse aus öffentlichen Kassen nicht würden existieren können, also subventioniert werden. Doch diese Art der Kultur spielt in einer anderen Liga, spricht sehr viel mehr Menschen an und gehört schlicht zu einer Stadt wie Düsseldorf und ihrem Image als Metropole.

Reaktionen von Vertreterinnen und Vertretern der Freien Szene

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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