CDU-Funktionär aus NRW: “Hendrik Wüst will Kanzler werden“

Das Zitat stammt von einer Person aus der CDU-Spitze in Nordrhein-Westfalen. Sie und weitere Leute in der Partei erwarten einen Wechsel des Ministerpräsidenten in die Hauptstadt – um Friedrich Merz abzulösen. Ich beschreibe das Szenario, seine Ursachen und die Nachfolge-Regelung.
Veröffentlicht am 17. August 2026
Friedrich Merz und Hendrik Wüst
Unterschiedlicher könnte die Stimmung der beiden kaum sein: Friedrich Merz (links) und Hendrik Wüst bei einem Parteitag der NRW-CDU. Foto: Imago

Armin Laschet, Ex-NRW-Ministerpräsident und Ex-Kanzlerkandidat der Union, hat über die Jahre fein kalibrierte Antennen für das Innenleben seiner Partei entwickelt. Daher wusste er genau, warum er jetzt bei Sandra Maischberger einen hörbar eindringlichen Appell an die CDU richtete: Er warnte davor, über einen Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz (70) zu spekulieren. Schon gar nicht aus Furcht vor möglichen Wahlschlappen der CDU im September. „Wer Merz aus dem Amt haben will, muss einen anderen bieten und dafür eine Mehrheit im Bundestag haben. Das sehe ich überhaupt nicht. Insofern denke ich, dass der Kanzler in einer starken Position ist“, sagte Laschet.

Wobei Laschet die Lage zumindest zeitlich falsch einschätzt. Vor den Wahlen im Osten wird nur heimlich getuschelt. Akut wird das Ganze danach. Was die Diskussion befeuert, sind Zahlen wie diese: Laut Forsa-Gründer Manfred Güllner sinkt das Vertrauen der Bevölkerung in Friedrich Merz massiv. Nur 13 Prozent der Wähler sind zufrieden mit der Arbeit des Kanzlers, 85 Prozent sind es nicht. Einen anderen bieten, wie Laschet es anspricht? Auch das ist denkbar, denn diesen anderen gibt es bereits: Hendrik Wüst.

Wie auch immer: Da kann Laschet warnen so viel er will – die Diskussion mit der Frage „Hält sich Merz?“ ist im Gange. Wenn ja – wie? Und: Will man wirklich mit ihm in die nächste Bundestagswahl gehen?

Wie ist die Stimmung in der CDU?
Bisher kamen drei Bundeskanzler aus NRW: Konrad Adenauer, Gerhard Schröder (geboren in Blomberg, Kreis Lippe) und der jetzt amtierende Friedrich Merz. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der nächste auch aus Nordrhein-Westfalen kommen. Und damit ist keineswegs gemeint, dass es Merz nach einer Wiederwahl – wann auch immer in den nächsten Jahren – sein wird. Turnusmäßig wäre Bundestagswahl im Frühjahr 2029, aber schon jetzt mehren sich in Berlin die Zweifel, ob der aktuelle Chef der Regierung so lange durchhält.

Widerstand gegen ihn wächst vor allem in seiner eigenen Partei. Dort gibt es, und genau das meint Laschet, offenbar wachsendes Interesse, ihn auszutauschen. Und zwar gegen den NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Der führt seine Regierung in Düsseldorf in einer Koalition mit den Grünen seit 2022 scheinbar ohne Probleme, im Ranking der beliebtesten Politiker steht er auf Platz zwei hinter Boris Pistorius.

In Gesprächen mit mehreren CDU-Leuten, darunter eine Person aus der oberen Etage der Landes-CDU, ergibt sich dieses Bild: Merz soll weg, Wüst kommen – und das will der auch, heißt es. Zwar habe er vor einigen Wochen, als diese Gerüchte erstmals auftauchten, Ambitionen dementiert, aber parteiintern glaubt man, dass er sich die größere Aufgabe zutraut und sie auch schultern will.

Wer würde Wüsts Nachfolger in NRW?
Ein weiteres Zitat des gerade erwähnten CDU-Funktionärs: „Hendrik Wüst wird bei der NRW-Landtagswahl 2027 nicht mehr antreten.“ Der Grund: Bis dahin sei er in Berlin. Auch die Nachfolge sei gedanklich schon geregelt. Der Leiter der Staatskanzlei und Minister für Medien, Nathanael Liminski, soll seinen Chef beerben. Mit ihm arbeitet Wüst so gut zusammen, dass er ihn am liebsten mit Berlin nehmen und dort zum Leiter des Kanzleramtes machen würde. Das jedoch stoße bei der Partei auf Widerstand: Für den Job des Ministerpräsidenten im bevölkerungsreichsten Bundesland komme nur er infrage. Die früher gehandelten Kandidatinnen Ina Scharrenbach und Ina Brandes gelten als nicht mehrheitsfähig.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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