Wandel in Düsseldorfs Gastro-Szene – für manche fatal
Vor wenigen Tagen bin ich wieder mal am Restaurant „Zum Schiffchen“ in der Altstadt vorbeigegangen. Seit zwei Jahren ist es geschlossen, angeblich soll der Anker bald wieder gelichtet werden, hat mir der Inhaber gesagt. Ich hatte unter der Überschrift „Zum Schiffchen in der Altstadt: Kurz vorm 400. Geburtstag ein Wrack“ darüber berichtet. Nun habe ich nachgesehen und tatsächlich: Drinnen tut sich etwas, Möbel sind verschwunden, in einer Ecke leuchtet ein Scheinwerfer, den man offenbar vergessen hat auszuschalten. Menschen kann ich nicht entdecken. Dafür hängt ein riesiges Paket vor der Tür, die Umhüllung vom Regen und Wind zerfleddert. Neben einem Papier in chinesischer Schrift klebt darauf ein Retourenformular für eine knapp zwei Meter hohe Kühlanlage. Grund für die Rücksendung, wörtlich: „Passt nicht durch die Tür“.
Irgendwie typisch, so wie die vor über einem Jahr angekündigte Wiedereröffnung in 2026: Probleme, mit denen man nicht gerechnet hat, verändertes Ausgehverhalten, unklare Suche nach anderen, zugkräftigen Konzepten. Eine Kühlung dürfte dabei am leichtesten zu realisieren sein. Falls sie denn durch die Tür passt.
Das Schiffchen ist nicht das einzige Lokal, dem es so geht, auch das Kytaro, der Zollhof oder Meuser zählen dazu, und die Liste ließe sich leicht verlängern. Auf der Suche nach den Gründen tauchen etliche Gemeinsamkeiten auf: ganz vorne sind immer allgemeine Kosten und Personalmangel. Ein Wirt mit mehreren Betrieben erzählt mir, er öffne seinen Biergarten nur noch für private Veranstaltungen. Ansonsten sei das mangels Frauen und Männern für den Service nicht zu regeln. Da er stark vom Wetter abhängig ist, braucht er flexible Leute, die bereit sind, kurzfristig einspringen. Die jedoch gibt es offenbar immer weniger, zumindest nicht bezahlbar. Bei den anderen klingt es ähnlich: Energie, Material, Mindestlohn – alles wird teurer, aber das an den Gast weiterzugeben, ist in großen Teilen nicht möglich, da es nicht akzeptiert, sondern als Versuch gewertet wird, sich selbst die Taschen vollzumachen.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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