Der Lack ist ab: Düsseldorfer Gehry-Bauten in Schieflage
Der Niedergang der Gehry-Bauten, er geht weiter. Bei VierNull hatten wir bereits im Herbst 2024 auf Anzeichen hingewiesen und von Mietern berichtet, die nach erster Euphorie dann doch lieber wieder ausgezogen sind. Verändert hat sich seitdem gar nichts. Was auch daran liegen mag, dass diese drei einander zugeneigten Objekte drei verschiedenen Firmen gehören. Allen gemein ist allerdings die Problematik: Sowohl außen wie innen bröckelt dieses Wahrzeichen, das seit Jahren auf zahlreichen Postkarten prangt und immer gern als Sinnbild Düsseldorfs auftaucht.
Dieser Glanz verblasst gerade. Wer herangeht an die Häuser, sieht es: Die Fassaden, vor allem die des weißen Hauses, sind schmuddelig, das mit Metall verkleidete leidet ebenfalls. Der Zahn der Zeit, sonst ein eher überholtes Bild, hier zeigt er seine volle Wirkung: 27 Jahre nach ihrer Eröffnung im Jahr 1999 ist der Anblick schlicht traurig. Ein Zeitraum, der für solide Immobilien eigentlich keine Rolle spielen sollte.
Es war schick, dort zu residieren
Natürlich wäre eine Sanierung möglich, aber die kostet Geld. Und das ist nicht wirklich vorhanden, weil man auf Seiten der Mieter wenig Bereitschaft wird finden können, eine Überholung mit höherem Zins zu bezahlen. Das wiederum liegt am Inneren der Gebäude. Damals, als sie erstmals auf den Markt kamen, gab es einen regelrechten Ansturm auf die Flächen. Es galt als schick, dort zu residieren. Vor allem Kreative zogen ein.
Was auch am Bauherrn lag: Die Gehry-Bauten waren das Projekt des Werbers Thomas Rempen. Der war in der Szene berühmt-berüchtigt, saß in den 1980er Jahren mit seiner Firma ursprünglich am Rathausufer, brauchte aber mehr Platz. Ihn reizte damals der Teil des alten Hafens, in dem die Entwicklung zum Medienhafen gerade erst begonnen hatte. Rempen kaufte ein Grundstück am Zollhof, erstritt die Genehmigung für einen großzügigen Bau und überzeugte am Ende den berühmten Architekten Frank O. Gehry, einen Plan zu entwerfen. Rempen, ein Visionär mit sicherem Gespür für den Außenauftritt einer Marke, wusste genau, dass nur ein architektonisch großer Auftritt den erwünschten Erfolg bringen würde.
Gehry stand für solche Bauwerke. Sein schräger Wohnturm in New York und das Guggenheim-Museum in Bilbao waren weltweit berühmt aufgrund der speziellen Linienführung. Genau so etwas sollte auch in Düsseldorf entstehen und Gehry legte einen Plan vor, der gerade Linien nicht vorsah. Der wurde, zum Entsetzen von Heerscharen von Handwerkern, auch umgesetzt, und 1999 war die Eröffnung.
Mieter zu finden war kein Problem, Rempen war berühmt, die Häuser sahen cool aus. Eigentlich tun sie das heute immer noch. Doch leider sind sie – das war schon damals so – innen absolut unpraktisch. Es gibt schräge Wände und ungerade Fensternischen. Was anfangs noch als originell gern hingenommen wurde, ist heute nur noch schwer vermittelbar. Rempen starb 2023, den Niedergang seiner Hinterlassenschaft für Düsseldorf hat er noch erkennen müssen.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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