Altstadt-Kioske: Mehr, größer, erfolgreich

Diese Läden boomen, ihre Zahl wächst. Inzwischen wirken sie wie Supermärkte und rüsten auch bei der Optik auf. Von vielen werden sie als lästiges Übel gesehen. Aber womöglich ist das ein nicht mehr zeitgemäßer Blick auf das Viertel.
Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 15. September 2026
Kiosk Altstadt, Rhein Shop Mühlenstrasse Foto: Andreas Endermann
So sieht heute ein Büdchen aus: der Rhein Shop an der Mühlenstraße.

Mindestens 32 dieser so genannten Kioske gibt es zurzeit im Areal zwischen Heinrich-Heine-Allee, Carlsplatz, Rheinuferpromenade und Ratinger Straße. Diese Zahl hat wahrscheinlich nicht lange Bestand, sie wird wohl weiter wachsen. Mit der Redewendung „so genannte“ zu arbeiten ist angebracht, weil es sich inzwischen oft um kleine Supermärkte handelt. Von den althergebrachten, winzigen Buden ist nichts mehr geblieben, eine neue Branche hat sich etabliert. Und das mit großem Erfolg, wie der Boom zeigt. Was die Frage aufwirft: Ist es richtig, diese Geschäfte zu verteufeln? Basiert die Kritik nicht auf einem überholten Bild einer Generation, die einer Altstadt aus den 1970er, -80 oder -90Jahre nachtrauert, ohne die Einsicht, dass sich die Zeiten ändern?

Die Rechtslage
Basierend auf der NRW-Gewerbeordnung kann jeder und jede einen Kiosk eröffnen. Besondere Qualifikationen sind dafür nicht nötig. Das erklärt, warum es so schnell mit den neuen Läden geht. Regelmäßig werden Beschwerden an die Stadt herangetragen von Menschen, die diese Entwicklung empört. Doch das Rathaus hat kaum Einfluss auf die Entwicklung, wie Oberbürgermeister Stephan Keller stets betont. Man sei aber mit der Landesregierung zu diesem Thema im Gespräch und hoffe auf eine gemeinsame Lösung. Gemeint ist: Die Stadt will die Expansion so nicht und möchte sie steuern.

Ein Verbot wird freilich kaum durchzusetzen sein. Man könnte höchstens den Alkoholverkauf einschränken und den Verzehr dieser Getränke in bestimmten Bereichen verbieten. Wem das helfen soll und wie, ist unklar. Den Wirten jedenfalls wird das den verschwundenen Umsatz nicht wiedergegeben. Denn die Altstadt-Besucher dürften Wege finden, sich so oder so mit dem begehrten Stoff aus der Flasche preisgünstig zu versorgen.

Die Zielgruppe
Diese Verkaufsstätten machen offenbar gute Umsätze, sonst würde es sie wohl kaum in so großer Zahl geben. Ihre Kunden: Junge Leute, die sich dort mit dem Equipment versorgen, das man zum preisgünstigen Vorglühen nutzt. Anders gesagt: Um auf die gewünschte alkoholische Drehzahl zu kommen und dafür nicht die hohen Preise in Clubs und Kneipen zahlen zu müssen, deckt man sich mit Bier, Schnaps, Wein oder Sekt ein. Das wissen die Händler und halten bis spät in die Nacht entsprechende Vorräte bereit, wie die spaliermäßig aufgereihten, gewaltigen Kühlschränke zeigen. Darin steht alles, was das Trinkerherz zum Start beim Zug um die Häuser braucht.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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