Kein Regen: Warum Düsseldorf dennoch nicht verdurstet
Vorab zwei Meldungen, deren vermeintlicher Gegensatz in Wahrheit keiner ist, weil sie tatsächlich im Zusammenhang stehen:
Zisternen gegen Überschwemmung
Die Stadt baut derzeit an der Wilhelm-Kreis-Straße in Garath eine Zisterne mit einem Volumen von 140 Kubikmetern. Das klingt jetzt nicht furchtbar viel und ist es auch nicht, denn es sind lediglich 140.000 Liter Wasser. Genug, um 1400 Badewannen zu füllen. Diese Gruben sind aber nicht einfach nur betonierte Löcher, sondern präzise durchdacht: Sie reagieren computergesteuert aufs Wetter.
Normalerweise füllen sie sich mit Regen, und der kann dann nach und nach fürs Bewässern von Grünanlagen genutzt werden. Sagen Meteorologen heftige Niederschläge (Beamten-Jargon: Starkregenereignisse) voraus, wird die Zisterne geleert und kann dann Wassermassen aufnehmen, die sonst vielleicht zu Überschwemmungen im unmittelbaren Umfeld führen würden. Das Projekt ist Teil eines größeren Konzepts, in dem eine Reihe solcher Behälter geschaffen werden. Im Grunde eine einfache Logik: Es wird Wasser gesammelt und genutzt, wenn ausreichend da ist und man es brauchst. Zugleich schafft man Platz für die Spitzen bei Hochwasser.
So wenig Regen wie noch nie
Noch nie hat es in Düsseldorf im Juli so wenig Regen gegeben wie 2026. Es fielen bisher lediglich 0,6 Liter pro Quadratmeter (Quelle: Wetterkontor). Das ist ein Prozent des langjährigen Mittelwerts.
Hinter diesen dürren Zahlen verbirgt sich eine dramatische Entwicklung nicht nur für Bauern. Wer in der Stadt lebt und Landwirtschaft im Bio-Laden zu erleben glaubt, kann die Dimension dieser Zahlen nicht abschätzen. Für Großstadt-Menschen kaum nachvollziehbar, aber symptomatisch für die Lage ist das, was gerade weit weg von Kö und Altstadt, aber immer noch in Düsseldorf passiert. Auf den Feldern in Hamm, Volmerswerth, Hubbelrath, Lörick oder Flehe ist abzusehen, was droht: Die Böden sind pulvertrocken. Der Mais steht zwar auf zwei Meter, aber auch nur, weil er in der entscheidenden Phase im Frühjahr genug Niederschlag bekam. Im Mai fielen 71, im Juni 61 Liter pro Quadratmeter.
Bleibt es jetzt jedoch länger trocken, verdorrt er. Die gerade gesetzten Rüben brauchen ebenfalls dringend Nässe. Zurzeit helfen viele Bauern bereits nach und haben ihre riesigen Pumpen angeworfen, mit denen sie Grundwasser nach oben holen und auf die jungen Pflanzen sprühen. Daran zu kommen, ist übrigens vor allem in den Altrheinarmen kein Problem. Dort, tief im Boden, ist immer noch genug Wasser unterwegs.
Welche Rolle spielt der Rhein?
Für uns hier in Düsseldorf eine zentrale. Was wir aus dem Hahn ins Glas laufen lassen, spendiert der Fluss. Allerdings nicht direkt, vielmehr wird so genanntes Ufer-Filtrat genutzt. Das wird von den Stadtwerken zum Beispiel Am Staad in Stockum oder in Flehe nach oben gepumpt und ist glasklar. Es ist sogar ohne Risiken trinkbar. Aber um ganz sicher zu gehen, wird es über weitere Filter gesäubert, bevor es ins Netz geht.
Zudem fließen unterirische Grundwasserströme aus dem Bergischen Land zum Fluss hin. Auch aus denen werden wir versorgt.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
Unser Journalismus ist werbefrei und unabhängig, deshalb können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Sichern Sie sich unbegrenzten Zugang mit unserem Start-Abo: die ersten sechs Monate für insgesamt 1 Euro. Danach kostet das Abo 10 Euro monatlich. Es ist jederzeit kündbar. Alternativ können Sie unsere Artikel auch einzeln kaufen.
Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?