Täterin oder Opfer? Wie der Armbrustmord von Düsseldorf bis heute berührt

Nun ist sie tot: die Frau, die 1986 als 21-Jährige vor einer Strafkammer des Landgerichts stand, weil sie ihren viel älteren Geliebten ermordet hatte. Ich war damals im Prozess dabei und habe darüber berichtet. Vergessen konnte ich den Fall nie, obwohl er nun 40 Jahre zurückliegt.
Veröffentlicht am 27. August 2026
Mordwaffe Armbrust
Ein Justizbeamter präsentiert die Tatwaffe im Landgericht Düsseldorf. Ausschnitt aus dem Buch "Düsseldorf Kriminell" von Georg Bönisch, Greven-Verlag Köln.

Als Polizei- und Gerichtsreporter habe ich viele Verbrechen beschrieben. Aber kein Fall hat mich von Anfang an so berührt wie dieser.

Paula H. ist 21 Jahre alt, als sie im Oktober 1985 ihren 37 Jahre älteren Liebhaber umbringt. Die Tatwaffe: eine Armbrust – diese archaisch anmutende, verheerende Waffe aus der Antike. Der Tote ist ein in Düsseldorf bekannter Gastronom: Giuseppe Palatini. Er betreibt mehrere Eis-Dielen, fast jeder kennt seine Cafés in der Innenstadt.

Als die Polizei kurz nach der Tat erste Details bekanntgibt, beginnt ein so selten erlebter Medienrummel. Die Einzelheiten sind tatsächlich spektakulär. Eine sehr junge Frau, eine Affäre mit einem Prominenten, unklarer Hintergrund – und dann dieses Mordinstrument. Das hat es so noch nie gegeben. Zeitungen, Radio, Magazine, das Fernsehen berichten täglich darüber. Auch ich bin von der Story gepackt. Vor allem aber frage ich mich, fragen wir uns alle: Wer ist die Täterin?

Keine Chance gegen den Machtmenschen
Anfangs dringt nur wenig nach außen. Weil sie noch am Tatort von der Polizei vernommen wurde und zugegeben hat, Palatini getötet zu haben, ist die Sache klar. Scheinbar. Es gibt also keine Fahndungsfotos, nur vage Angaben zur Person. Doch im Hintergrund laufen über Monate akribische Ermittlungen, werden Zeugen vernommen, Freunde der Familie gehört, das Umfeld von Paula H. unter die Lupe genommen.

Nach und nach entsteht ein Bild, aber noch mit reichlich blinden Flecken. Irgendwann wird der Name genannt – Paula H. Langsam nimmt das Ganze Konturen an. Paula gilt als äußerst schüchtern, kommt aus einer religiös geprägten, bürgerlichen Familie. Sie lebt nahe Düsseldorf. Aber immer noch weiß man nicht wirklich viel über sie. Vor allem hat niemand eine Ahnung wie sie aussieht, was für ein Mensch sie ist.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

Unser Journalismus ist werbefrei und unabhängig, deshalb können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Sichern Sie sich unbegrenzten Zugang mit unserem Start-Abo: die ersten sechs Monate für insgesamt 1 Euro. Danach kostet das Abo 10 Euro monatlich. Es ist jederzeit kündbar. Alternativ können Sie unsere Artikel auch einzeln kaufen.

Start-Abo: 6 Monate für 1 Euro

Artikel einzeln kaufen (2 EUR)

Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?

Hier einloggen


Lust auf weitere Geschichten?