Die zwei Arten, den Fortuna-Finanzbericht zu lesen

Der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst präsentiert in einem Video und bei einem Mitgliederforum eine aus seiner Sicht erfolgreiche Bilanz. Dabei setzt er allerdings auf Umsatz statt Gewinn, lässt Kosten außen vor – und feiert etwas, das eigentlich selbstverständlich ist.
Veröffentlicht am 5. November 2026
Fortuna Düsseldorf im Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich Foto: Andreas Endermann
Fortunas Vorstandsvorsitzender Alexander Jobst spürt den Druck der Fans und Vereinsmitglieder.

Alexander Jobst befindet sich in der Dauer-Offensive. Der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf ist aktuell in einem Video auf Youtube, bei einem Mitgliederforum im Stahlwerk und in Pressemitteilungen sehr präsent. Seine zentrale Botschaft: Der Verein ist zwar in die Dritte Liga abgestiegen, aber wirtschaftlich geht es ihm gut.

Anlass für diese kommunikative Wucht ist die Mitgliederversammlung am 15. November. Das verwundert zunächst, weil Alexander Jobst dort gar nicht im Fokus steht. Er legt vermeintlich nur seinen Bericht für die vergangene Saison vor. Eine direkte Abstimmung über ihn gibt es nicht, möglicherweise aber eine indirekte. Eine Gruppe von Mitgliedern hat beantragt, die Führungskräfte vorerst nicht zu entlasten, um eventuelle rechtliche Ansprüche gegen sie zu bewahren (hier nachzulesen). Dass dieser Vorschlag eine Mehrheit bekommt, möchte der oberste Fortune gerne vermeiden.

Der erwähnte Antrag sieht vor, eine Untersuchungskommission einzusetzen, die vor allem drei Punkte klärt: 

1. War das Konzept „Fortuna für alle“ ein Erfolg oder hat es dem Verein geschadet?

2. Hätten die Verantwortlichen die Möglichkeit eines Abstiegs ernster erwägen müssen und Schaden vom Klub abwenden können?

3. War der langfristige Mietvertrag für Büros an der Teerstegenstraße in Golzheim sinnvoll oder ein Fehler?

Die Strategie von Alexander Jobst ergibt sich aus diesen Punkten fast automatisch. Er präsentiert „Fortuna für alle“ als wirtschaftlichen Erfolg, spricht möglichst wenig über die anderen beiden Punkte und lenkt den Blick auf andere Themen. In Summe entsteht ein sehr positiver Eindruck der Lage.

Basis für die Kommunikation und damit für meine Analyse ist der kommentierte Finanzbericht, den der Verein Ende Oktober veröffentlicht hat. Er bezieht sich auf die Saison 2025/2026, als Fortuna noch in der Zweiten Liga spielte. Die Zahlen darin sind von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testiert. Man kann sie allerdings unterschiedlich lesen. „Fortuna für alle“ kommt darin nur am Rande vor, die an anderer Stelle kommunizierten Zahlen dazu hat Alexander Jobst frei zusammengestellt. 

Ich untersuche in diesem Text beides: den Finanzbericht und die Kommunikation zu „Fortuna für alle“. Am Ende soll eine Basis entstehen, um die drei Fragen aus dem genannten Antrag bewerten zu können. Eine wesentliche Quelle sind dabei Antworten der Fortuna auf Fragen von mir und die Sonderfolge des Fortuna-Podcasts „Aus dem Exil“. Darin interviewen die Moderatoren David Ellgering zu den Zahlen des Vereins. Er ist Führungskraft im Finanzbereich eines Energieunternehmens, hat 15 Jahre Erfahrung mit Finanzen und Controlling und kandidiert am 15. November für einen der fünf freien Plätze im Aufsichtsrat. 

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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