Wehrdienst, Nein danke!

Die Pflicht-Musterung ist zurück in Deutschland. Es ist eine Entwicklung, die vor allem junge Menschen politisiert. In einer zweiteiligen Serie kommen sie ebenso zu Wort, wie diejenigen, die sich früher für oder gegen die Bundeswehr entschieden haben.
Veröffentlicht am 29. Mai 2026
Virgilio Pelayo jr.Foto: Marc Latsch
Virgilio Pelayo jr. hat in den Neunzigern verweigert. Heute ist seine Sicht auf das Thema eine andere, seine Entscheidung wäre aber wahrscheinlich noch die gleiche. Foto: Marc Latsch

Zwei Worte habe ich bis heute von diesem Tag vor 16 Jahren in Erinnerung. „Mäßig bemuskelt.“ Es war das Urteil des Mannes, der gerade meinen Körper auf Kriegstüchtigkeit untersucht hatte. Was er wohl sagen wollte: kein Premiummaterial für Spezialaufgaben, aber durchaus im Kampf für Deutschland verwertbar. Während zwei meiner ebenfalls zum selben Datum geladenen Mitabiturienten sich mit einem vollen Krankenordner die Freiheit erwirkten, war damit klar: Ich muss zum Bund oder den Dienst an der Waffe verweigern.

Rund 2,7 Millionen Menschen wurden nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zwischen 1961 und 2011 zum Zivildienst einberufen. Verweigerer galten zunächst als gesellschaftliche Außenseiter, die sich einem Tribunal stellen mussten. Später wurden sie zum Massenphänomen, das Schreiben mit den Gewissensgründen ein rein formaler Akt. Die Zahl der Einberufungen zum Zivildienst stieg von 574 im Jahr 1961 bis zur Rekordzahl von 135.924 im Jahr 2002. Neun Jahre später wurde der Wehrdienst ausgesetzt.

Seit Januar werden nun wieder Schreiben zur Wehrerfassung an die 18-Jährigen in Deutschland verschickt. Männer sind verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen und sich mustern zu lassen. Die Entscheidung zum „Neuen Wehrdienst“ ist umstritten. Die Frage nach Krieg und Frieden und deren eigener Beteiligung daran politisiert wieder deutlich mehr (junge) Menschen. Allein im ersten Quartal 2026 wurden mehr Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt als im gesamten Jahr 2024. Dieser Text soll dazu unterschiedliche Verweigerer-Perspektiven bieten.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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