Düsseldorfer bekennen Farbe: Alles außer Braun

Einen Kultur-Spaziergang hatte der Rechtsaußen Matthias Helferich angeblich geplant, von Schloss Jägerhof in die Carlstadt. Stattdessen wurde es ein Spießrutenlauf vorbei an Gegen-Demonstranten, bewacht von hunderten Polizisten. Erfolg der Demokraten? Eher nicht – sondern willkommene Bilder für die Anhänger von Alice Weidel und Björn Höcke.
Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 27. Oktober 2026
Goethe-Museum, Schloss Jägerhof, Demo Düsseldorfer Kultur für Demokratie, Protest gegen AfD-Veranstaltung mit Matthias Helferich Foto: Andreas Endermann
Er hatte den erwünschten Auftritt: AfD-Mann Matthias Helferich (rechts, mit Umhängetasche) bei seinem Kulturspaziergang unter Polizeischutz.

Bedienen wir mal den hier so schön passenden schrägen Spruch vom „inneren Reichsparteitag“. Den hat AfD-Rechtsaußen Matthias Helferich am Montag (26. Oktober) in Düsseldorf genießen dürfen. Geschickt geplant war das Ganze ohne Zweifel, und am Ende hat es funktioniert. Seit dem Abend dürften Massen von Bildern die verschiedenen Social-Media-Plattformen der Partei mit der Farbe Blau fluten. Und alle mit derselben Botschaft: Seht her, so weit ist die Meinungsfreiheit in Deutschland gesunken. Wer friedlich einen Spaziergang plant, darf das in diesem Land nur unter Polizeischutz machen. Die sorgfältig orchestrierte Provokation der so genannten Alternative für Deutschland, sie ist aufgegangen. Denn einige tausend Menschen protestierten gegen den Auftritt des Rechtsradikalen. Und sie taten das in Teilen sehr laut.

Vortrag „Rechte Kulturpolitik“
Die Vorgeschichte: Vor einigen Wochen kündigte der auch in seiner Partei umstrittene Matthias Helferich an, in Düsseldorf einen Vortrag zum Thema rechte Kulturpolitik halten zu wollen. Ort des Events: ausgerechnet das Heinrich-Heine-Institut in der Carlstadt, benannt nach Heinrich Heine, dem Juden.

Provokation Nummer eins: Die Empörung war groß, alle möglichen Menschen und Gruppen protestierten. Von der Stadt kam der Hinweis, dagegen nichts tun zu können, solche Räume seien parteipolitisch neutral nutzbar. Maximale Aufmerksamkeit war damit garantiert.

Provokation Nummer zwei (ungewollt): Die Beigeordnete für Kultur, Miriam Koch, verkündet wenige Tage vor der Veranstaltung, im Heine-Institut seien dringende Bauarbeiten zu erledigen, Events daher nicht möglich. Absage des AfD-Auftritts. Die Folge: gesteigerte Aufmerksamkeit. Und eine schnell gefundene Alternative: Helferich wird im Palais Wittgenstein, um die Ecke gelegen, seinen Vortrag halten.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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