Großstädterinnen, die mit Händen arbeiten

Ob Töpfern, Möbelaufbereitung oder Schmuckdesign – in Düsseldorf boomen Do-it-Yourself-Workshops. Die Zielgruppe sind fast immer Frauen. Auf den Spuren eines Trends.
Von Marc Latsch (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 29. Januar 2026
DIY, Studio Calma, PempelfortFoto: Andreas Endermann
Lara Stahl zeigt während ihres Open-Studio-Abends Besucherinnen die richtige Töpfer-Technik-

Lara Stahl steht neben dem langen Holztisch in einem pastellfarbenen Raum. Schräg hinter ihr an der langen Glasfront ihres Studios liegt ein Gästebuch samt Goldstift, hängen englischsprachige Sinnsprüche an der Wand. Einer davon heißt auf Deutsch „Vergiss dein Ego, erinnere dich an deine Seele“. Stahl hat einen unförmigen Klumpen in der Hand. Sie will den vier Frauen, die um sie herumsitzen, zeigen, wie sie daraus die Teller und Vasen formen können, die sie sich zuvor aus einem Katalog ausgesucht haben. „Für euch ist die Plattentechnik am besten“, sagt sie.

In Düsseldorf gibt es ein großes Angebot an Do-it-Yourself (DIY)-Workshops. Wer den Begriff schlicht googelt, findet schnell mehr als ein Dutzend Anbieter:innen und eine riesige Kursauswahl. Vom Erstellen eines Vision Boards zu den eigenen Träumen über das Bemalen von Weingläsern bis hin zu Möbelaufbereitung und Betonarbeiten ist alles gegen Geld möglich. Besonders beliebt sind die Töpferkurse, die es quer durch die Stadt an verschiedenen Standorten gibt. Auch bei Lara Stahl im Pempelforter Studio Calma. Nur, dass sie die Nische noch ein wenig erweitert hat.

„In Düsseldorf fehlte irgendwie, dass man diese ganze Bandbreite im Kreativbereich an einem Ort mit schönem Ambiente hat“, sagt Stahl, die ihr Studio aus ihrem Keramik- und Kunstlabel Artibloom heraus gegründet hat. Zwei, bald drei Mal, die Woche bietet sie dort Open-Studio-Tage an, bei denen ohne Anmeldung getöpfert und gemalt werden kann. Sonntags ist dann Zeit für die besonderen Events. Stahl kombiniert ihre Töpferkurse wahlweise mit Yoga für werdende Mütter, Atemtechniken oder Kulinarik von Brunch über Tiramisu hin zum Weinabend. „Ich liebe Events und ich liebe es, Menschen eine schöne Zeit zu bereiten.“ Handwerk wird hier zum Gesellschaftsereignis zwischen Freundinnenabend und Date.

Der Wert des Haptischen
Ein Anruf bei Michael Bier, Abteilungsleiter der Stabsstelle Bau bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Die Welt der DIY-Workshops ist ihm eher neu, in seiner Beratung spiele das keine Rolle, sagt er. „Das ist vielleicht so ein Zeitgeist, in dieser digitalen Welt das Haptische wieder hervorzuheben.“ Er sehe das eher grundpositiv, den handwerklichen Berufsalltag betreffe das allerdings eher wenig. Auch, weil die Kurse meist Fähigkeiten abdecken, die früher auch an anderen Orten wie der Schule vermittelt wurden. „Ich glaube nicht, dass man danach plötzlich eine eigene Wärmepumpe installiert.“

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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