Die Frau hinter der VW-Navi-Stimme

Millionen hören Katrin von Chamier im Auto, ohne zu wissen, wer sie ist – und dass sie sich oft selbst verfährt. Ich habe mit ihr über Selbstwahrnehmung und Konkurrenz durch KI gesprochen. Warum sie glaubt, dass das Menschliche bald zum Luxusgut wird.
Von Gesa Born (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 2. Juni 2026
Katrin von Chamier Navi-Stimme von VW aus Düsseldorf
Katrin von Chamier: Stimme und Musik bilden den roten Faden in ihrem Leben.

Sie ist mit dabei. Auf dem Weg in den Urlaub oder bei einsamen Nachtfahrten. Ihr „bitte wenden” bleibt freundlich. Auch dann, wenn man drei Mal an derselben Tankstelle vorbeifährt. Katrin von Chamier ist die deutsche Navigationsstimme von Volkswagen. Millionen Menschen vertrauen ihr täglich. Dabei kennen sie weder ihren Namen noch ihr Gesicht.

In meinem Kopf ist die Frau hinter der Navi-Stimme nüchtern, vielleicht etwas kühl? Auf jeden Fall eine, die kurz auf die Karte schaut und schnurstracks ans Ziel findet. Doch schon nach den ersten Minuten unseres Treffens wird mir klar: Nichts an diesem Bild trifft zu.

Katrin von Chamier sitzt vor dem Café Oma Erika in Flingern. Sie blinzelt in die Sonne und trinkt Apfelschorle. Schwarzes Oberteil, blonde Haare, dezenter Goldschmuck. „Ich bin privat niemand, den man nach dem Weg fragt”, erzählt sie mir bereits, während ich noch auf meine Apfelschorle warte. Es sei der Running Gag in ihrer Familie. Erst heute Morgen habe sie sich verfahren, obwohl sie seit Jahrzehnten in Düsseldorf lebt.

Schnell sind wir mitten im Gespräch. Es sprudelt nur so. Sie selbst hatte auch einen VW, sagt sie. Beim ersten Mal habe sie lachen müssen, als sie sich selbst im Auto hörte. Als komisch habe sie es aber nicht empfunden. Ihre Stimme sei ihr als Profisprecherin sehr vertraut.

Eine solche Beziehung zur eigenen Stimme aufzubauen: Das ist es, was Katrin von Chamier heute auch anderen Menschen mitgeben möchte – trotz oder gerade weil Künstliche Intelligenz das Menschliche in der Stimme einzuholen droht. Aber der Reihe nach.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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