Das verkommene Tor zur Altstadt
Diese Fläche hat keine Chance, gemocht zu werden. Nichts Grünes schmeichelt dem Auge, Stein und Beton unten und an den Seiten. Das Hübscheste ist ein schwarzes Ofenrohr, das hoch oben an der Fassade der Kunsthalle aus dem Beton ragt. Relikt einer Zeit, als ein schon zu Lebzeiten legendärer Künstler namens Joseph Beuys der Stadt ab und an seine Definition von Kunst aufdrückte. Hier in Form eines Schornsteins, der an der brutalistischen Optik des Kulturbaus wirkt wie eine Micky Maus in einem Picasso.
Bemerkt wird der Fremdkörper allerdings kaum, weil niemand nach oben schaut, der dort entlang geht. Das vor allem, weil es meistens ratsam ist genau hinzuschauen, wohin man den Fuß setzt. Der Grund: Abfall am Boden, bisweilen auch Pfützen leider exakt definierbarer Flüssigkeit, die das ist, wonach sie aussieht.
Dass es die dort gibt, soll eigentlich ein Bauwerk verhindern, das wie eine Spindel konzipiert ist: Wer hineingeht, wird nicht mehr gesehen. Weil er etwas verrichtet, was andere nicht sehen sollen, jedenfalls nicht, wenn sie weiblich sind. Pissoir nennt man diese Konstrukte, das weiß so ziemlich jeder. Keiner weiß dagegen, warum ausgerechnet an dieser Stelle eins installiert wurde.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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