Als Zeitungen digital wurden: Vom Blei zur KI 

Der Begriff Digitalisierung ist präsent in Firmen, Behörden, Ministerien. Aber es ist nicht neu, was da passiert und passieren muss. Der Prozess hat vor Jahrzehnten begonnen. Bei den Zeitungen ging es Ende der 1970er Jahre los. Ein Erfahrungsbericht.
Veröffentlicht am 22. Juli 2026
RP Redaktion in den 1990ern
Neue Rechner in der Redaktion, Kästen im Format von Umzugskartons. Ihr Einzug machte den Beruf des Setzers überflüssig – viele wurden umgeschult, andere gingen in den Streik. Foto: privat.

1978: Verbände und Firmen gründen Presseabteilungen und werben dafür mit hohen Gehältern schlecht bezahlte Zeitungsleute ab, plötzlich gibt es reichlich offene Planstellen in den Redaktionen. Bei der Rheinischen Post bietet man mir, 25 Jahre alt, ein Volontariat an. Die Ausbildung zum Redakteur. Vorher hatte ich dort ein paar Jahre mein Studium als freier Mitarbeiter finanziert. Pro Zeile gab es 25 Pfennig. Als Schnellschreiber – in der Höheren Handelsschule hatte ich widerwillig gelernt, zehn Finger blind zu schreiben – verdiente ich viel Geld. Ein toller Job, Journalist wollte ich schon immer werden. Nun also in Festanstellung. 

Oben Redaktion, unten Technik
Zur Ausbildung gehörten einige Wochen in der Zentralredaktion in Düsseldorf, damals noch an der Blumenstraße. In den oberen Etagen saßen die Redakteure, im Erdgeschoss war die Technik: Setzerei und Montage hieß das damals. Alle Texte, geschrieben von den Mitgliedern der Redaktion mit mechanischen Schreibmaschinen auf Papier, wurden auf gigantischen Maschinen von hoch qualifizierten Männern (Frauen gab es in diesem Beruf nicht) eingetippt und im Inneren dieses Apparats durch flüssiges Blei in Buchstabenformen gegossen. Das klingt mittelalterlich und war es auch.

Seit den Anfängen der Buchdruckkunst hatte sich die Technik zwar verfeinert und beschleunigt, aber das Prinzip war gleichgeblieben: Jeder Buchstabe entstand durch heißes Metall in einer Form. Linotype hießen diese monströsen Dinger – vom englischen Line of Type: Eine Zeile von Schrift. Der Lärm war höllisch, es zischte, ratterte, roch nach Metall und Maschinenöl.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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