Wo sich die Welt auf ein Altbier trifft

Einmal pro Woche nehmen sich im Kürzer Menschen aus unterschiedlichen Ländern Zeit füreinander. Eine Personalberaterin bringt hier das internationale Düsseldorf zusammen, ein junger Arzt aus Mexiko sucht Anschluss und eine Indonesierin verzweifelt an Heringssalat.
Von Christoph Wegener (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 8. April 2026
Social Melting Pot, Brauerei Kürzer, FichtenstrasseFoto: Andreas Endermann
Wer donnerstagsabends einen Sitzplatz beim „Social Melting Pot“ haben möchte, muss früh da sein.

Kanyarat Pinrat sieht es jeden Donnerstag: Sie ist mit ihrer Sehnsucht nicht alleine. Die 26-Jährige steht an einem Tisch in der Produktionshalle der Brauerei Kürzer, vor ihr liegen Aktenordner voller Aufkleber. 233 Flaggen von Ländern und Regionen stehen zur Wahl. Im Minutentakt kommen neue Gäste vorbei. Pinrat begrüßt sie lächelnd und stellt allen die gleichen Fragen: Welche Sprachen sprichst du? Bist du zum ersten Mal hier? Können wir dir noch irgendwie helfen?

Um die Antworten zu verstehen, muss sich die Düsseldorferin über den Tisch lehnen, denn die Brauerei in Flingern ist voller Menschen. Sie stoßen miteinander an, lachen, unterhalten sich lautstark auf Englisch, Spanisch, Deutsch, Japanisch, Ukrainisch. Kanyarat Pinrat macht Fotos von der Menge, will möglichst viele Momente festhalten.

Aufgewachsen ist Pinrat in einem 600-Seelen-Dorf in Thüringen, wo nur ihre Familie eine Migrationsgeschichte hatte. Als Studentin blieb sie in Bewegung, knüpfte auf internationalen Veranstaltungen und Reisen Kontakte, setzte sich mit fremden Lebensrealitäten und Blickwinkeln auseinander. Hauptsache nicht in der eigenen Komfortzone stecken bleiben, das war Pinrat wichtig. Dann endete ihr Studium – und der Alltag hatte sie fest im Griff.

Wie sollte sie zwischen dem Vollzeitjob als Personalberaterin, Haushalt, Sport und Familie die Chance haben, ihren sozialen Horizont zu erweitern? Pinrat wusste keine Antwort, bis sie zufällig den „Social Melting Pot“ in Köln besuchte.

Jeder kann dort vorbeikommen, klebt sich Flaggen mit Sprachen, die er spricht, auf die Brust und kommt mit anderen Gästen ins Gespräch. Pinrat fühlte sich sofort in ihre Studienzeit zurückversetzt. Alle hatten Lust, neue Leute kennen zu lernen. Was im Alltag schwierig ist, war dort einfach. „Ich dachte mir: So etwas braucht Düsseldorf als internationale Stadt auch“, sagt sie.

Social Melting Pot, Brauerei Kürzer, FichtenstrasseFoto: Andreas Endermann

Zuhause stellte Pinrat eine Liste mit Kneipen und Brauhäusern zusammen und entschied sich am Ende für das Kürzer in Flingern, weil das einen Außenbereich und viel Platz bietet. Die Frage war allerdings, ob es den braucht, denn Pinrat wusste nicht, wie das Konzept in Düsseldorf ankommt. Zumal kaum Menschen über die Fichtenstraße schlendern und das Event zufällig entdecken würden.

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