Der Meister des Brick Metal
„Der Hund von Baskerville“ ist keine sonderlich fröhliche Angelegenheit – weder in der 1959er-Version von Terence Fisher noch in der 2026er-Version von Ben Blutzukker. In beiden Varianten ist alles drin, was einen guten Sherlock-Holmes-Klassiker ausmacht. Es gibt Schurken, Verfolgungsjagden und natürlich eine Bluttat. Nur dass in der auf knapp drei Minuten komprimierten Blutzukker-Variante alle Figuren aus Lego und alle Szenen aus rund 2500 Einzelfotos zusammengesetzt sind. „Jeder zittert um sein Leben, wer wird wohl der Nächste sein“, singt der Regisseur dazu mit rauer Stimme, während im Hintergrund Orgelklänge zu hören sind.
Im bürgerlichen Alltag ist Ben ein 46-jähriger Software-Entwickler aus Düsseldorf. Nebenbei hat er eine neue Musikrichtung begründet: Brick Metal, ein Wortspiel aus Black Metal und „brick“, dem englischen Wort für einen (Lego-)Stein. Die Musik, die aufwendigen Videos – all das entsteht in einer Wohnung in Düsseltal und dem Dachboden darüber. Dort steht Ben vor seinem Schreibtisch mit den roten Lautsprechern und den nach Formen geordneten Boxen voller Klemmbausteine. Auf die finanzielle Hobby-Gesamtbilanz angesprochen, sagt er vier Wörter, die er mit Pausen zu eigenen kurzen Sätzen formt. „Rot. Ja. Natürlich. Vollkommen.“
Was Ben Blutzukker da macht, findet durchaus seine Zuschauer:innen. Das erfolgreichste Video in seinem Youtube-Kanal, ein Cover des EAV-Klassikers „Ba, Ba, Banküberfall“ ist dort mehr als 80.000 Mal aufgerufen worden, „Der Hund von Baskerville“, eine Zusammenarbeit mit Szene-Größe Mambo Kurt, in rund einem Monat mehr als 30.000 Mal. Deutlich weniger Zuschauer:innen (79) hatte bis Mittwochabend das dazugehörige Making-of. Dabei zeigt sich darin erst die wahnsinnige Detailarbeit, die hinter einem solchen Stop-Motion-Video steckt.
Ben sitzt darin in seinem abgedunkelten Dachboden und erklärt die Idee, einen Spielfilm aus den 1950ern in ein Lego-Musikvideo zu verwandeln. Vor ihm bewegt er Zentimeter um Zentimeter die Figuren durch detailreich vorbereitete Sets. 15 Fotos braucht er pro Sekunde, damit das Ergebnis flüssig aussieht. Auf dem PC neben ihm wechselt er zwischen einem Zusammenschnitt der Filmvorlage, den er sich zur Orientierung selbst erstellt hat und einem Programm, dass das Ergebnis der Fotoabfolge-Bewegungen anzeigt.
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