Bunte Fassaden: An dieser Malerei scheiden sich die Geister
Was uns das Haus am Fürstenwall zeigt, ist grell und unübersehbar, eine bewusst gesetzte Provokation, ohne Zweifel. Das ist der Plan, sagt BaBa-Sushi-Geschäftsführer Dennis Koller (29). Keiner, der daran vorbeifährt oder geht, soll oder kann es ignorieren. Man habe bewusst auf diese Optik gesetzt, um gesehen zu werden und neugierig zu machen. Das ist gelungen, sagt er – viele Leute kommen wegen dieser vielen bunten Gestalten. Aber einige hätten auch ablehnend reagiert.
Die Arbeit des saarländischen Sprayers Eugen Famsy (vier Tage hat er gebraucht, unzählige Spraydosen verbraucht) ist auf jeden Fall ein Blickfang und erreicht damit, was Kunst immer wieder schafft und schaffen will: Das Werk zwingt jeden, sich irgendwie damit zu beschäftigen, es gut oder schlecht zu finden, schön oder hässlich. Diese Farborgie ist Gesprächsthema geworden, nicht nur im Stadtteil.
Es gibt, ähnlich gestaltet, weitere Beispiele. Nicht weit entfernt, an der Oberbilker Allee macht die Konzert-Kneipe Pitcher Werbung auf diese Art. Die Außenwand ist ebenso ein Hingucker, erfreut die einen, empört oder irritiert die anderen. Aber weggucken ist schwierig. Eher gefällig, weil naturalistisch ist die riesige Malerei auf einem Giebel an der Hansaallee. Putin, Trump, Kim, Khamenei, Xi, Netanjahu – ein paar Fieslinge dieser Welt gucken finster auf uns alle herab. Die politische Botschaft ist klar: Eine Koalition autokratischer Jungs unterschiedlichen Alters prangt im Stadtteil Lörick. Schade, dass wir nie erfahren werden, ob sie es jemals sehen und was sie davon halten. Gut rüber kommen sie jedenfalls nicht.
Ältestes Beispiel der bewusst chaotischen und anarchischen Kunst sind die Häuser an der Kiefernstraße in Flingern. In den 1980er und 1990er Jahre noch von krawalliger Vergangenheit als Hausbesetzer-Zentrum belastet, wurden die Mietverhältnisse nach langem Hickhack zwischen der Stadt (Eigentümer), den Besetzern und der Polizei (es gab reichlich Einsätze dort) legalisiert.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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