Wenn Stille kein Frieden ist
Es gibt Tage, an denen mein erster Blick morgens dem Handy gilt. Nicht aus Neugier, sondern aus Angst. Ist eine Nachricht durchgekommen? Gibt es ein Lebenszeichen? Manchmal ist da nur Stille. Und diese Stille ist kein Frieden. Sie ist das Ergebnis von abgeschaltetem Internet, von Gewalt, von Kontrolle. Ich sitze in Düsseldorf, trinke Kaffee, gehe zur Arbeit – und merke, wie sich mein Leben gleichzeitig an einem anderen Ort festhakt.
Es fühlt sich an wie ein Endspiel. Und gleichzeitig weiß ich: Es ist nicht vorbei. Vielleicht gehen die Menschen gerade zurück in ihre Häuser. Vielleicht wird es leiser auf den Straßen. Aber diese Stille ist keine Kapitulation. Sie fühlt sich an wie die Ruhe vor dem Sturm. Wie ein tiefes Einatmen vor etwas, das noch kommt.
Ich lebe in Düsseldorf. Diese Stadt ist mein Alltag, mein Arbeitsort, mein sozialer Raum. Hier funktioniert alles weiter. Termine, Projekte, Gespräche. Und genau darin liegt der Bruch. Denn parallel dazu existiert eine zweite Ebene meines Lebens, die sich nicht abschalten lässt. Eine Ebene aus Warten, aus Bildern, aus Nachrichten, die nicht ankommen.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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