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„Sie haben nicht einmal Erbarmen mit unseren Leichen“

Andisheh Karami demonstriert seit Wochen täglich vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof gegen das Regime in Teheran. Hier erläutert sie ihre Gedanken und Gefühle in einem Gastbeitrag. Deutschland kann die Stimme der protestierenden Menschen im Iran sein, sagte sie.

Von Andisheh Karami
Veröffentlicht am 17. Oktober 2022
Andisheh Karami
Andisheh Karami lebt für einige Monate in Deutschland. Die Iranerin protestiert seit Wochen täglich vor dem Hauptbahnhof in Düsseldorf gegen die Diktatur in ihrer Heimat. Foto: Andreas Endermann

Vor etwa drei Wochen wurde eine 22-jährige Frau namens Mahsa Amini wegen unangemessener Kleidung durch eine Patrouille, die eigentlich die Hijab-Kontrollpolizei im Iran ist, verhaftet. Die junge Frau starb zwei Stunden später im Krankenhaus.

Ihr Tod löste im ganzen Land Proteste aus, die seitdem andauern und anwachsen. Der Slogan der Menschen auf den Straßen ist „Leben und Freiheit“. Seit den ersten Tagen der Proteste hat das islamische Regime in seiner ersten Aktion das Internet in allen iranischen Städten abgeschaltet, soziale Netzwerke wie Instagram und WhatsApp. Andere Dienste wie Twitter, Telegram und YouTube werden schon seit Jahren gefiltert. 2019 hat das Regime das Internet für einen ganzen Monat abgeschaltet und mehr als 1000 Menschen im Iran ermordet, als sie auf die Straße gingen, um gegen die hohen Preise zu demonstrieren.

Aber die Proteste im Iran sind diesmal anders. Männer und Frauen sind zusammen auf der Straße, um Gerechtigkeit und mehr Rechte für die iranischen Frauen zu suchen. Die Grausamkeit, die das islamische Regime den iranischen Frauen zugefügt hat, hat eine ebenso große Geschichte, wie das Regime selbst. Vor 43 Jahren revolutionierte es den Iran mit falschen Versprechungen. Einen Monat, nachdem es an die Macht kam, beraubte es die iranischen Frauen aller Menschenrechte. Nach der Revolution wurden Frauen gezwungen, die vom Regime verordnete Kleidung und Hijab zu tragen. Den Frauen wurde das Singen verboten. Sie dürfen nicht mehr schwimmen. Sie dürfen nicht ohne Erlaubnis der Islamischen Organisation in Hotels wohnen. Sie dürfen das Land nicht ohne schriftliche Erlaubnis ihrer Männer verlassen. Und sie dürfen nicht auf der Straße Fahrrad fahren.

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