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Vallourec Düsseldorf-Rath
Mit Kreuzen und einem Sarg kritisieren die Beschäftigten auf dem Firmengelände das Ende des Röhrenwerks in Rath. Foto: Andreas Endermann

Vallourec: Mitarbeitende sollen gehen, wollen aber nicht

Im Röhrenwerk in Rath wird nur noch 2023 produziert. Das Unternehmen möchte deshalb nun Stellen abbauen und organisiert unter anderem Jobbörsen. Viele der Mitarbeitenden möchten aber trotz allem am liebsten bleiben.
Veröffentlicht am 30. Januar 2023

Am Tor scheint alles normal. Man sieht einen gut gefüllten Parkplatz. Der Pförtner kommt ans Fenster auf der Beifahrerseite – und macht mir dann klar, was hier schon nicht mehr normal ist. „Wollen Sie zur Jobbörse?“, fragt er.

Bei Vallourec im Düsseldorfer Stadtteil Rath präsentieren sich an diesem Tag mehrere Dutzend Unternehmen, um die Mitarbeitenden des Röhrenwerks abzuwerben. An Stellwänden hängen Ausschreibungen von großen Konzernen wie der Telekom und der Bahn oder kleineren Firmen in Oberhausen oder Ludwigshafen. Und das alles auf ausdrücklichen Wunsch und mit voller Unterstützung des gastgebenden Unternehmens.

Die Jobbörse ist eines der letzten Kapitel in einer Geschichte, die vor mehr als 100 Jahren unter dem Namen Mannesmann begann. Der heutige Eigentümer Vallourec hatte im November 2021 erklärt, die Produktionsstätten in Düsseldorf und Mülheim zu verkaufen und sein Geschäft nach Brasilien zu verlegen. Die folgenden Angebote möglicher Käufer bezeichnete der Vorstand als „enttäuschend“, im Mai 2022 verkündete er deshalb die Schließung der beiden Werke bis Ende 2023.

Am 1. Januar haben die letzten Monate begonnen, in denen in Rath und Mülheim noch produziert wird. Aktuell geschieht dies noch in großen Mengen, die Veränderungen werden nun aber immer sichtbarer. „Es wird ein sehr emotionales Jahr“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Vilson Gegic, als ich ihn in Rath besuche. „Die ersten verabschieden sich jetzt.“

Mitte November haben die Vertreter:innen der Belegschaft und die Konzernspitze in Paris einen Interessenausgleich unterschrieben. Diese Vereinbarung regelt, wie das Jahr 2023 läuft und wann er ausscheiden wird beziehungsweise soll. An dieser Stelle zeigt sich, warum Vilson Gegic von einem emotionalen Jahr spricht. Viele der Mitarbeitenden klammern sich trotz des sicheren Endes an den gewohnten Job. Zwei Zahlen belegen das: Im Zuge eines Freiwilligen-Programms könnten 500 Beschäftigte das Unternehmen bis Frühjahr verlassen. Beworben haben sich bis Ende Januar aber nur 220, rund 150 davon aus Rath. Für die Abwicklung nach Ende der Produktion im Jahr 2024 werden 300 Menschen gebraucht. Für diese Jobs liegen laut Betriebsrat fast doppelt so viele Bewerbungen vor.

Wie läuft das Freiwilligen-Programm ab?

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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