Durch Zukauf: Rheinische Post wird stärkste NRW-Zeitung – an Auflage

Die Düsseldorfer Mediengruppe will die Westfälische Medien Holding kaufen. Zu der gehören unter anderem die „Westfälische Nachrichten“ und das „Westfalen-Blatt“. Warum tut der Verlag das? Ich erkläre die Hintergründe.
Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 11. März 2026
Rheinische Post Mediengruppe übernimmt Westfälische Medien Holding

Foto: Andreas Endermann
Künftig gehören sie voraussichtlich zusammen: Rheinische Post, Westfälische Nachrichten und Westfalen-Blatt, die hier mit ihren Online-Auftritten zu sehen sind.

Auf den ersten Blick ist dieser Coup aus unternehmerischer Sicht strategisch richtig und logisch. Da kommt zusammen, was zusammenpasst. Denn diese Zeitungen – Westfälische Nachrichten, Westfalen-Blatt und, sozusagen als Beifang, die kleineren Blätter Münstersche Zeitung, Westfälisches Volksblatt sowie die Allgemeine Zeitung Coesfeld – erscheinen in einem Umfeld, das dem RP-Stammland ähnlich ist. Die Städte sind zwar nicht so groß wie Düsseldorf, aber sie sind alle geprägt von bürgerlicher Struktur und hoher Kaufkraft. Dort gibt es (noch) eine Bereitschaft des reiferen Publikums, eine Zeitung zu abonnieren. Aus demographischen Gründen ist diese Tendenz allerdings negativ: Der klassische Zeitungsleser ist eine aussterbende Spezies.

Schaut man die Blätter mit journalistischem Blick an, wirken sie solide und seriös. Man könnte auch sagen: betulich. Es sind keine Stars, eher 3. Liga der Zeitungslandschaft, unauffällig und ohne Ausreißer nach oben und unten. Als Redakteur sehe ich handwerkliche Fehler, oft fehlende Leserorientierung und eine Darbietung im Stil der 1990er Jahre. Bekannt sind die Titel nur Branchen-Insidern und den Bewohnern der Region. Zitate im TV – für die großen Medien eine imagefördernde, daher begehrte Auszeichnung – gibt es von ihnen selten. In ihren jeweiligen Erscheinungsgebieten gehören sind sie als Informations-Lieferant und Meinungsmacher seit Jahrzehnten sozusagen zur Familie. Wenn auch mit schwindendem Einfluss, vor allem bei Menschen unter 50 Jahren. Ebenfalls eine Parallele zur RP.

Für die Stadt Münster und das Umland bedeutet der Deal, dass man künftig nur noch von Düsseldorf aus gesteuerte Zeitungen hat. Die Mitarbeiter der WMH reagierten geschockt. Sie wähnten sich sicher in dem mehrere hundert Jahre alten Unternehmen. Die Kollegen vom Münsteraner Online-Portal RUMS schreiben dazu: „Der Betriebsratsvorsitzende Kristian von Bentem sagte im WDR am Montagnachmittag, er habe bei der Bekanntgabe der Nachricht in entsetzte Gesichter geblickt. „Es war wirklich für viele total unvorstellbar, dass so etwas überhaupt mal jemals passiert“, sagte er. Jenseits des Medienhauses waren Menschen, die sich in der Branche etwas auskennen, vor allem vom Zeitpunkt überrascht.“

Die WAZ fiele auf Platz 2 zurück
Dass die Düsseldorfer nun aufgrund der zugekauften Produkte zur auflagenstärksten Zeitung in NRW würden, ist rechnerisch zutreffend. Vor 20 Jahren wäre das eine spektakuläre Nachricht gewesen. Doch das ist nun vorbei. Dass man nicht einmal konkrete Zahlen nennt, ist nicht etwa Bescheidenheit: Solche Details werden zurückhaltend kommuniziert, denn sie sind keineswegs zum Jubeln, zudem schwer nachprüfbar. Ähnlich allen anderen Regionalblättern schrumpft der Platzhirsch aus der NRW-Landeshauptstadt wie die Neuen in der Mediengruppe Jahr für Jahr.

Nur noch rosarote Erinnerung sind die Zeiten, als die RP in der Woche deutlich mehr als 400.000, samstags sogar knapp über 500.000 Exemplaren lag. In diesen Jahren war die WAZ (heute Funke-Mediengruppe) mit durchweg über 550.000 Exemplaren die Nummer eins in Nordrhein-Westfalen. Nun fiele sie auf den zweiten Platz zurück und wird vom Dauer-Konkurrenten aus Düsseldorf nicht mehr nur an den südlichen und westlichen Seiten des Reviers, sondern auch vom Norden her in die Zange genommen. Das dürfte die Funke-Zentrale in Essen irritieren. Aber auch dort hat man andere, größere Sorgen.

Das sind die Auflagen-Zahlen der zur Rheinische Post Mediengruppe gehörenden Zeitungen, soweit sie veröffentlicht sind:

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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