Wo geht’s denn hier zum Durchschnitt?
Zwei Wegweiser am Waldrand zeigen die Möglichkeiten an. Zwölf Kilometer nach links die Stadtmitte, ein paar Schritte nach rechts Lauftreff und Kleingärtner-Verein. Unter den Schildern drei Zettel. Einer mit schwarz-rot-goldenem Kussmund, einer mit der Aufschrift „Rudelgucken Deutschland“ und acht Fragezeichen, einer mit allen Infos für den gemeinsamen Fußballabend. Ich will weder nach links noch nach rechts. Denn eigentlich bin ich schon am Ziel. Zumindest hoffe ich das. Warum ich es gerade hier vermute, ist allerdings eine lange Geschichte.
Vor knapp neun Jahren bin ich in diese Stadt gezogen. Nicht, weil ich unbedingt hinwollte, sondern weil es hier für mich den damals besten Job gab. Bis dahin kannte ich die Bolkerstraße, die Königsallee, Fortuna, Die Toten Hosen und das Stadion. Das, woran Auswärtige eben denken, wenn sie den Namen Düsseldorf hören. Solche Zuschreibungen gibt es auch von innen. Politiker:innen wollen möglichst viele Düsseldorfer:innen von der Wahl ihrer Partei überzeugen, Werber:innen vom richtigen Produkt, Brauchtumspfleger:innen ihren Wesenskern beschützen. Auch ich habe heute eine vage Vorstellung davon, wie es sein könnte, Düsseldorfer Durchschnitt zu sein. Warum also nicht auf die Suche gehen?
Ich starte auf der Kö, dem klischeehaftesten Ort der Stadt. Sollen schließlich vereinfachte Wahrheiten sein. An einem heißen Sommerabend setze ich mich dort auf eine Bank und sehe eine Frau, die im weißen Kleid den Gehweg entlanggeht, während ihr ein Mann die übergroße Einkaufstasche hinterherträgt. An der Straße müssen sie warten. Ein pinkfarbener Porsche mit Bottroper Kennzeichen hat noch Vorfahrt. Männergruppen im Mercedes-Cabrio, Frauen im Designer-Einteiler. Dazwischen auch Menschen, wie sie überall in der Stadt herumlaufen. Normalos, die ich suche. Hier bin ich dennoch falsch. Schwer genug, hier überhaupt Düsseldorfer:innen zu finden. Und dann auch noch Durchschnitt?
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
Unser Journalismus ist werbefrei und unabhängig, deshalb können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Sichern Sie sich unbegrenzten Zugang mit unserem Start-Abo: die ersten sechs Monate für insgesamt 1 Euro. Danach kostet das Abo 10 Euro monatlich. Es ist jederzeit kündbar. Alternativ können Sie unsere Artikel auch einzeln kaufen.
Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?