Vierer-Team duelliert sich mit Viererteam: So wird es normalerweise beim Bahnradfahren ausgetragen, "Rund um die Kö" bringt den Wettkampf auf die Straße. Foto: Kerstin Kortekamp
Vierer-Team duelliert sich mit Viererteam: So wird es normalerweise beim Bahnradfahren ausgetragen, "Rund um die Kö" bringt den Wettkampf auf die Straße. Foto: Kerstin Kortekamp

Neuer Radsport für Düsseldorf: Rennen mit Lastenrädern und querfeldein

„Rund um die Kö“ erlebt diese Woche seine 50. Ausgabe – und das mit einer Reihe neuer Formate, die den Zuschauern großen Spaß versprechen. Im Oktober gibt es dann auf der Rennbahn Wettkämpfe mit geländegängigen Rennrädern.

Von Christian Herrendorf
Veröffentlicht am 6. September 2021

Das Programm für den 12. September liest sich, als sollte man ein paar Stunden für einen Besuch an der Königsallee einplanen. Dort finden zum 50. Mal die Radrennen „Rund um die Kö“ statt, und zum Jubiläum gibt es gleich eine Reihe neuer Wettbewerbe, die ich hier gleich noch im Detail vorstelle. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich etwas tut im Düsseldorfer Radsport. Denn der Veranstalter, der „Cycling Club Düsseldorf“, hat für nächsten Monat gleich noch die nächste Premiere geplant: Auf der Galopprennbahn auf dem Grafenberg werden Radrennfahrer:innen querfeldein unterwegs sein.

„Rund um die Kö“ gehörte zuletzt eher zu den Opa-erzählt-vom-Krieg-Veranstaltungen. Ich erinnere mich an Plakate und Zeitungsberichte im vorherigen Jahrhundert, die einem klar machten, dass das Radrennen auf der Kö etwas ganz Besonderes ist. Und ich erinnere mich an Gespräche und Pläne von Erwachsenen, für die der Besuch dort damals Pflicht war. Da musste man dabei gewesen sein.

Die jüngere und etwas klarere Erinnerung zeigt eine Kö, auf der Radsportler:innen mit beachtlichem Tempo entlang rasen, aber die Zahl der Menschen am Rande doch recht überschaubar war. „Rund um die Kö“ war nichts Besonderes mehr, manchen eher schon lästig, weil man vorher nicht mitbekommen hatte, dass es stattfindet, und verärgert über die Absperrung war.

Jetzt gibt es einen Weg raus aus der Tristesse, der erwähnte Veranstalter und seine Mitstreiter:innen (unter anderem das „Schicke-Mütze“-Team) haben eine Mischung aus sehr gutem Amateursport und sehr unterhaltsamen Rennformaten entwickelt. Das Hygiene-Konzept für Sonntag lässt bis zu 2500 Zuschauer:innen zu – und die erwartet dann das:

Bahnradrennen auf der Straße Man guckt das in der Regel ja nur bei Olympischen Spielen, dann ist es aber super: Viererteams, die im perfekten Windschatten aufgereiht ihre Runden drehen und versuchen, schneller zu sein als das Team auf der anderen Seite der Bahn. Dieses Prinzip wird bei „Rund um die Kö“ auf die Straße gebracht. An entgegengesetzten Punkten der Strecke stehen die beiden Quartette, die den Kurs schneller als der Gegner absolvieren möchten. Der Wettkampf wird über den Tag verteilt in drei Runden ausgetragen – die beste Crew darf sich dann Stadtmeister nennen. (14.15, 15.45 und 16.55 Uhr)

Lastenradrennen Das neue Lieblingsfahrzeug aller trendbewussten Familien kommt als Sportgerät zum Einsatz. Die Teilnehmer:innen dieses Rennens fahren eine halbe Runde, müssen dann ordentlich was einladen (Reifen, Pappschachteln), eine Runde mit Last drehen, wieder abladen und ins Ziel rasen. Klingt nach einem großen Spaß – mindestens für alle, die zugucken dürfen. (13.50, 15.05 und 17.15 Uhr)

Laufradrennen Die ganz jungen Sportler:innen (bis fünf Jahre) sind vor der Pandemie schon mal auf der Kö gefahren und haben für einen großartigen Moment gesorgt. Ein Junge lag deutlich in Führung, sah aber wenige Meter vor dem Ziel eine Ampel, die die Veranstalter nicht zugehängt hatten. Sie zeigte Rot, also hielt der Junge, breitete die Arme aus und signalisierte den anderen Kindern, auch zu stoppen. So blieben alle auf einer Linie, bis wieder Grün war. Der Junge hat übrigens trotzdem noch gewonnen. Die Laufrad-Fahrer:innen sind am Sonntag um 15.25 Uhr auf der Strecke.

Rennen ohne Bremsen Ein Wettkampf für Puristen. Die Räder haben weder Gangschaltung noch Bremsen, die Sportler:innen reduzieren ihr Tempo durch starkes Kontern. Deshalb kommt es in diesen Rennen nicht nur darauf an, wer am besten beschleunigt, sondern auch darauf, wer vor der Kurve die richtige Geschwindigkeit wählt. (16.10 Uhr)

Leistungssport Den frühen Abend bestreiten bei „Rund um die Kö“ die stärksten Fahrerinnen und Fahrer. Die Veranstalter:innen haben den Frauen ein eigenes Rennen reserviert, in dem die Hobby-Sportler:innen die Königin der Kö ermitteln. Die stärksten Amateure der Männer treten an- und abschließend 50 Runden in die Pedale. (17.50 und 18.20 Uhr)

Die Pläne für den Grafenberg

Querfeldeinrennen sind auch etwas, das erstmal mit Erinnerungen verknüpft ist. In den Achtzigern war die Disziplin regelmäßig in der Sportschau zu sehen. Im Gedächtnis sind Sportler, die mit dem Rennrad auf nicht befestigten Strecken fuhren. Besonders beeindruckend für den jungen Sportschau-Gucker waren damals die Momente, in denen die Wettkämpfer ihr Rad schultern mussten, um zum Beispiel eine Treppe hinaufzulaufen.

Dieser Tradition möchten der „Cycling Club Düsseldorf“ und seine Mitstreiter:innen am 23. und 24. Oktober bei „Querfeldrhein“ zu neuen Fans verhelfen. Auf dem Gelände der Galopprennbahn und drum herum wird ein Parcours entwickelt, bei dem die Rennräder auf unbefestigte Pisten müssen und einige Hindernisse zu bewältigen haben. Und das über mehrere Runden, so dass die Sportler:innen immer wieder an den Zuschauern vorbeikommen.

Die dazugehörigen Disziplinen heißen Cyclocross und Gravel, was sie ausmacht und unterscheidet demonstrieren im Herbst Starter aus der Cross-Bundesliga, ambitionierte Hobbyfahrer:innen, Jugendliche und alle, die sich im Jedermann-Rennen an den Start trauen. Das Ganze wird unter anderem mit Drohnen aufgenommen und im Internet gestreamt. Sportschau war gestern.

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Mit Rennrädern auf unbefestigten Wegen – so treten die Sportler:innen im Oktober auf der und rund um die Galopprennbahn an. Foto: Kerstin Kortekamp

Weiterführende Links

Tickets für „Rund um die Kö“ gibt es hier.

Mehr zu „Querfeldrhein“ ist hier zu lesen.


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