Frische Dilemmas in Düsseldorf

Überall in der Stadt taucht das Adjektiv frisch auf. Das hat mich in verwirrende Gespräche gebracht, aber auch zu wunderbaren Entdeckungen, die ich Ihnen sehr gerne empfehle.

Von Karina Rodriguez
Veröffentlicht am 24. Juni 2022
Stand auf dem Carlsplatz Düsseldorf
Eine der vielen Stellen, an denen das Wort frisch in Düsseldorf auftaucht und unsere Kolumnistin irritiert: ein Blumenstand auf dem Carlsplatz. Foto: Andreas Endermann

Mit dem Beginn des Sommers wird in unserer Stadt ein Adjektiv immer auffälliger, das ich den „König Midas der Adjektive“ nenne. Denn alles, was er berührt, wird dazu. Es ist der Liebling der Werbeagenturen. Explosives Lachen, hitzige Diskussionen und einige Kopfschmerzen verursachte dieses Adjektiv schon bei mir – jedes Mal, wenn ich versuchte, seine Bedeutung zu verstehen. Ich meine das Adjektiv „frisch“.

Frisch oder nicht frisch? Das war mein Dilemma, als ich nach Düsseldorf gezogen bin. In den ersten Jahren in der Stadt grenzte die Frage ans Philosophische, etwas, das schwer zu verstehen und noch schwerer zu beantworten war. Denn, was ich mein Leben lang in meiner Heimatstadt Lima gelernt hatte, so frisch war es hier nicht mehr.

Lassen Sie mich Ihnen folgende Fragen stellen: Wenn Sie in einer Orangensaftfabrik aufgewachsen wären, was wäre für Sie der frischste Saft? Und wenn Sie stattdessen umgeben von Orangenbäumen aufgewachsen wären, würden wir dann noch über denselben Saft sprechen?

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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