Flingern geht auch südlich
Als ich noch an der Birkenstraße lebte, war der Flingeraner Süden für mich vor allem ein Parkplatz. Dort drehte ich mir endlos erscheinende Runden auf der Suche nach einer freien Lücke für Anwohner-Autos, die vor meiner Haustür erst gar nicht vorgesehen waren. Dort, wo ich im größten Glücksfall schon fündig wurde, führt umgeben von Bauhaus-Lager und Autoaufbereitung die Tür eines unscheinbaren Flachbaus direkt nach Ägypten.
Das Kairo Kitchen ist ein Restaurant, das sinnbildlich für die Behrenstraße steht. Noch immer ist südlich der Bahnschienen der Arbeiter-Ursprung des Stadtteils deutlich präsenter als im gentrifizierten Norden rund um die Ackerstraße. Die Häuser sind reizärmer, die Straßen unbelebter. Doch hinter den kargen Fassaden verstecken sich auch fernab des Zakk auf engem Raum einige lohnenswerte Ziele, die es verdient hätten, noch mehr Menschen durch die Unterführung zu locken.
Hinter der Flachbau-Tür erstreckt sich ein kleiner Raum voller bunter Tische und Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden. Von einem Kissen blickt das Konterfei des nationalen Fußball-Idols Mo Salah in Richtung Küche. Auf einem Fernseher über dem Eingang läuft Umm Kulthum in Dauerschleife – die Maria Callas Ägyptens.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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