Die Rheinische Post und ihr Problem mit teurem Freibier
Die Idee war so einfach wie genial: Bring 400, 500 Leute in einem großen Raum zusammen, gib ihnen gratis etwas zu essen und zu trinken und lass sie mit- und übereinander reden. Als der frühere Bild-Journalist Axel Pollheim 2002 mit dieser Idee zu mir kam, war ich sicher: Das klappt nicht. Damals war ich Lokalchef der Rheinischen Post in Düsseldorf und konnte mir nicht vorstellen, wie so was laufen sollte: ein Abend ohne Programm und die Gäste sich selbst überlassen. Pollheim, damals beim Finanzdienstleister Ideenkapital als Pressesprecher tätig, war anderer Meinung. Und er behielt Recht, der Vogel flog. Sein Name: Düsseldorf In. Seit dem Start hat es rund 230 Veranstaltungen gegeben. Auf Ideenkapital folgte Signa als Veranstalter, dann übernahm die Rheinische Post das Event.
Einst ein begehrter Termin
Viel wurde nicht damit verdient, am Ende blieben vielleicht ein paar tausend Euro pro Abend übrig. Aber man machte sich einen Namen als Netzwerk-Anbieter, die Abende im Kesselhaus des Areal Böhler – zehn pro Jahr – wurde zu einem der begehrtesten Termine in Düsseldorf. Wer hin durfte, fühlte sich geehrt, bekannt genug zu sein, um auf der Gästeliste zu stehen. Eintritt musste man dafür nicht bezahlen. Mehrere Sponsoren brachten genug Geld, um die rund 20.000 Euro Kosten pro Abend für Miete, Security und Catering locker abzudecken.
Das ging über Jahre gut, aber schleichend trocknete Düsseldorfs berühmteste Nachrichten-Theke aus. Das merkten auch die Sponsoren, der Reiz war offenbar weg. Jedenfalls kontaktierte der Veranstalter nun eine Reihe von Gästen mit einem gut gemeinten, aber dennoch toxischen Angebot: Weiter Teilnehmer zu sein gegen Geld. Genauer: Für sechs Veranstaltungen möge man doch bitte knapp 1600 Euro hinlegen, ca. 230 Euro pro Abend.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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