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Der Engel vom Grabbeplatz

Seit drei Jahren kocht Renate Kühn für Obdachlose und Bedürftige in Düsseldorf. Mit einigen „Jungs“ verbindet die Rentnerin heute eine tiefe Freundschaft.

Von Danina Esau
Veröffentlicht am 20. Dezember 2022
Renate KŸhn
Eine warme Suppe für Obdachlose und andere Bedürftige: Jeden Mittwoch und jeden Sonntag gibt Renate Kühn am Grabbeplatz Essen aus. Ganz allein, ohne eine Organisation im Hintergrund. Gekocht wird daheim. Foto: Andreas Endermann

Die Szene wiederholt sich jeden Mittwoch und jeden Sonntag zwischen 14 und 16.30 Uhr am Grabbeplatz: Ein kleiner weißer Transporter fährt vor, aus dem Wagen steigt eine zierliche ältere Frau. Sie baut einen Tapeziertisch auf – und wenig später beginnt sie, warmes Essen, Kaffee, Tee, Obst an Obdachlose zu verteilen. Renate Kühn heißt sie, aber die meisten nennen sie Engel vom Grabbeplatz. Weil sie denen hilft, die ohne Hilfe kaum noch klarkommen. Und das macht sie mit einer unglaublichen Energie und viel Durchhaltevermögen. Ihr Sohn hat es mal so beschrieben: „Eines Tages werde ich von der Polizei angerufen, weil du auf dem Grabbeplatz tot umgefallen bist und ich dein Auto abholen soll“. Die 74-jährige Rentnerin hält das nicht für unmöglich. Die Straße zwischen Amtsgericht, Kunsthalle und K20 ist so etwas wie ihr Arbeitsplatz geworden.

An diesem Mittwoch gibt es Grünkohl mit Mettenden und Kartoffeln. Kühn gießt jedem einzelnen Kaffee ein, verteilt den Grünkohleintopf und reicht ein Butterbrot dazu. Kurz vor Weihnachten gibt es außerdem ein bisschen Schokolade und eine Mandarine. Sie macht alles alleine, helfen lässt sie sich nicht gern. Weil: „Nur ich weiß, wo alles hingehört.“

Angefangen hat sie damit im Jahr 2019. Auch vorher hatte sie sich schon in der Armenküche engagiert und Mahlzeiten in der Altstadt verteilt. Doch sie wollte es anders machen, herzlicher, persönlicher. „In einem 100-Liter-Topf eine Suppe zubereiten, die nach zuhause schmeckt, ist quasi unmöglich“, sagt sie. Also kochte sie selbst eine Suppe. Anfangs stellte sie den Topf in einen Kinderwagen, fuhr mit der Bahn zum Grabbeplatz und verteilte sie in kleinen Plastikbechern an Bedürftige. Damals waren nur wenige Menschen da.

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