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Als Madonna mal im Malkasten feierte

Seit Anfang der 1990er hat Rainer Wengenroth Düsseldorfs Gastro-Szene geprägt. Im Interview blickt er zurück auf den Club im „Malkasten“, die Immendorff-Partys im Hafen, die gescheiterte Wiederauflage von „Monkey's Island“ – und erzählt von einem neuen Projekt mit Helge Achenbach.

Veröffentlicht am 28. April 2023
Rainer Wengenroth
Rainer Wengenroth vor dem Malkasten. Foto: Andreas Endermann

Kürzlich habe ich eine Kolumne über den von Rainer Wengenroth (72) ins Leben gerufenen Party-Wanderzirkus „Macht der Nacht“ geschrieben, der ab 1986 durch Deutschland tourte und nach der Station im Düsseldorfer Hafen 1991 in Paris endete (hier nachlesen). Im Interview gewährt der „Zeremonienmeister der Düsseldorfer Partyszene“ (Rheinische Post) einen Blick hinter die Kulissen – von seinen Ausgehanfängen als Teenager über das Nachtleben der Neunziger bis hin zum Boom des Medienhafens um die Jahrtausendwende.  

Als Solinger hätten Sie ausgehmäßig auch in Köln landen können. Wie kam es, dass Sie sich Richtung Düsseldorf orientierten?

Wengenroth: Eigentlich war das eher Zufall. Solingen liegt ja mehr oder weniger in der Mitte. Mein Jugendzimmer in der elterlichen Wohnung war in einem höheren Stockwerk, und da konnte ich bei gutem Wetter sowohl die Düsseldorfer als auch die Kölner Skyline aus dem Fenster sehen. Als meine Freunde und ich Mitte der Sechziger begannen, die umliegenden Großstädte zu entdecken, haben wir am Solinger Bahnhof den Zug nach Düsseldorf genommen – und nicht den nach Köln. Und da sind wir dann dabei geblieben …

Wie waren die ersten Ausgeh-Erfahrungen?

Wengenroth: Als ich 18 war und den Führerschein hatte, sind wir zwei bis drei Mal die Woche nach Düsseldorf gefahren. Das war um 1969 rum. Meistens starteten wir im „Domino“, das war eine kleine Altstadt-Kneipe, die von zwei jungen Gastronominnen mit starker Affinität zur Kunst geführt wurde: Carmen Knoebel, die Mitte der Siebziger den „Ratinger Hof“ übernahm. Außerdem Katharina Sieverding, die ja auch im „Creamcheese“ hinter der Bar gearbeitet hat. Das „Creamcheese“ an der Neubrückstraße war dann meist die nächste Station unserer Tour. Oft feierten wir auch im „Mora´s Lost Angels Club“ an der Schneider-Wibbel-Gasse. Und zum Schluss landeten wir morgens um vier gerne im „Schwarzen Peter“ – das war ein Café in der ersten Etage, an der Ecke Bolkerstraße/Mertensgasse, das bis früh morgens aufhatte. Da gab es dann Kirschkuchen vor der Fahrt zurück nach Hause.

Inwiefern hat diese Zeit Sie als Gastronom geprägt?

Wengenroth:  Diese spezielle Verbindung von Kunst und Nachtleben und die Rolle der Kunstakademie – das haben wir als junge Solinger damals noch nicht so wahrgenommen. Dennoch war ich bereits als 18-jähriger vom „Creamcheese“ extrem beeindruckt. Und diese Erfahrung hat mich auch später bei meinen gastronomischen Projekten beeinflusst. Das „Creamcheese“ war wegweisend. Die hatten schon Ende der Sechziger all das, was in den Discotheken weit später zum Standard wurde: Stroboskope, Projektionen, Videoinstallationen. Später kulminierte das ja in der House- und Techno-Kultur.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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