Thomas Geisel und die fragwürdige Zoom-Konferenz
Januar 2015: Eine Gruppe namens „Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Dügida) kündigt eine Demonstration in der Landeshauptstadt an. Oberbürgermeister Thomas Geisel erklärt auf der Internetseite der Stadt, ab Beginn der Demonstration an verschiedenen öffentlichen Gebäuden die Beleuchtung auszuschalten. Zugleich ruft er Geschäftsleute, Bürgerinnen und Bürger auf, an ihren Häusern ebenfalls das Licht auszumachen, um ein „Zeichen gegen Intoleranz und Rassismus“ zu setzen.
März 2016: Im Geschwister-Scholl-Gymnasium trifft sich die AfD zu einem Kreisparteitag. Draußen demonstrieren Politiker:innen und Schüler:innen, sie legen weiße Rosen als Symbol der Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl vor dem Gebäude ab. Einer der Redner auf der Kundgebung ist Oberbürgermeister Thomas Geisel. Als weltoffene Stadt dulde Düsseldorf keine Rassisten und lasse keine Fremdenfeindlichkeit zu, sagt er.
Zehn Jahre später ist Thomas Geisel Abgeordneter im EU-Parlament. Er sitzt dort für das BSW, die deutsche Partei gehört in Brüssel keiner Fraktion an. Auf Einladung von Fernand Kartheiser, einem wegen seiner Russlandnähe aus der Fraktion der „Europäischen Konservativen und Reformer“ ausgeschlossenen Luxemburgischen EU-Abgeordneten, nimmt er an einer Videokonferenz teil. In der Runde, die Kartheiser organisiert hat, sind weitere EU-Abgeordnete und Mitglieder des russischen Parlaments dabei. Ziel der Runde ist laut Geisel „auch in Zeiten sehr angespannter politischer Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union, nicht jeden Gesprächsfaden zwischen den Parlamenten abreißen zu lassen“.
Nun kann man auf die Idee kommen, Kontakt zu Mitgliedern des russischen Parlaments aufzunehmen. Das entspricht sicher keiner Mehrheitsmeinung, aber es ist eine Position, die man im Diskurs vertreten kann. Ob man auf russischer Seite derzeit Menschen findet, die nach einem Ende der Ära Putin noch Verantwortung oder ein Mandat haben, ist dabei fraglich. Und vor allem aber ist diskussionswürdig, an wessen Seite man versucht, nicht jeden Gesprächsfaden abreißen zu lassen.
Im Internet kursieren derzeit drei Fotos von diesem Austausch. Der X-Account „vic_010100“ hat sie veröffentlicht. Es ist unklar, ob sie an einem oder mehreren Terminen aufgenommen wurden. Laut dessen Post beziehen sie sich alle auf eine Konferenz im Oktober 2025. Thomas Geisel wiederum bestreitet, an diesem Termin dabei gewesen zu sein. Er nennt stattdessen den 17. Dezember, von dem laut „Vic“ keine Fotos existieren.
Klar ist, dass Geisel auf zwei der drei Aufnahmen zu erkennen ist. Und, dass er sich damit in sehr fragwürdige Gesellschaft begeben hat. Gemeint sich damit nicht ausschließlich die russischen Chefideologen, Geheimdienstler und Waffenschmugglern.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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