Der rätselhafte Klau von Einkaufswagen
In Supermärkten passieren schräge Dinge. Zum Beispiel: Man spaziert hinein, um eine Dose passierte Tomaten zu kaufen, und hat beim Verlassen des Markts fünf Tafeln Schokolade in der Tasche (Sonderangebot), ein Netz Orangen (sie leuchteten so schön) und ein paar weitere unwiderstehlich erscheinende Produkte. Nur die passierten Tomaten, die hat man vergessen.
Oder, eine ganz anders geartete Seltsamkeit: Jemand betritt den Laden ohne Einkaufstasche, füllt den Einkaufswagen mit allem, was das Herz begehrt (und was der Kontostand erlaubt), verlässt den Markt mitsamt Wagen und karrt den Einkauf über Stock und Stein bis vor die eigene Haustür. Anschließend entsorgt er den Wagen auf einer Wiese, in einer Unterführung, im nächstbesten Graben. Wie Sperrmüll. Aus Bequemlichkeit. Oder aus Gleichgültigkeit. Oder aus einem Frustgefühl oder Vandalismus-Impuls heraus.
In manchen Märkten sind die Wagen mit Wegfahrsperren versehen – dann blockieren die Rollen, sobald die Grenzen des Marktes oder des Parkplatzes erreicht sind. In vielen Märkten jedoch nicht. So türmte sich kürzlich am Eingang des Schützenplatzes in Rath ein gutes Dutzend umgekippter und ineinandergeschobener Einkaufswagen. Die reinste Kunstinstallation. (Vielleicht war es eine? Eine konsumkritische?)
Der Anblick gestrandeter, oftmals umgekippter, wie von einem Infarkt niedergestreckt wirkender Einkaufswagen zählt zu den Sehensunwürdigkeiten in Düsseldorf (und in vielen anderen Städten). Doch wer weiß, wie lange er noch stadtbildprägend ist. Denn die Karten werden gerade neu gemischt: Die Einkaufswagen der Zukunft haben mit den heutigen ungefähr so viel tun wie ein Elektro-Mini-Cooper mit einem Bobbycar.
Tauchen wir also kurz mal ein in die fabelhafte Welt der robusten Einkaufshelfer, die so unscheinbar und unverzichtbar sind wie Kugelschreiber, Gummiband und Reißverschluss.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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