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So klappt es mit einem Jobbike in Düsseldorf

Immer mehr Arbeitgeber bieten für ihre Mitarbeiter Fahrrad-Leasing an. Doch lohnt sich das? Ein Wegweiser mit Hilfe eines Düsseldorfer Überzeugungstäters.

Von Marc Latsch (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 7. März 2024
Jobbike in Düsseldorf
David Crosa hat sein erstes Leasing-Fahrrad bereits vor zwei Jahren bekommen. Das System gefiel ihm so gut, dass er gleich sein zweites Jobrad beantragt hat.

Zum Treffen in einem Pempelforter Café kommt David Crosa zu Fuß. Er wohnt schließlich um die Ecke. Doch eigentlich macht der 36-Jährige fast alles mit einem seiner zwei Fahrräder. Beide hat er nicht einfach so gekauft, er hat sie geleast – über „Jobrad“, einen von vielen deutschen Dienstfahrradanbietern. Strenggenommen hat er das nicht mal selbst getan, sondern sein Arbeitgeber für ihn. Über seine Erfahrungen damit wollen wir an diesem Nachmittag sprechen.

Was ist eigentlich ein Jobrad?
Das Jobrad ist das zweirädrige Gegenstück zum Dienstwagen. Und der gleichnamige Anbieter „Jobrad“ ist der deutsche Marktführer. 2021 setzte der Freiburger Konzern mit rund 800 Mitarbeitern mehr als 719 Millionen Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 38 Millionen Euro. Über 6000 Händler arbeiten mit „Jobrad“ zusammen. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie BMW und die Deutsche Bahn.

Es gibt aber auch rund zwei Dutzend weitere Leasingfirmen, die in Deutschland aktiv sind. Das Leasing-Modell dahinter steht seit kurzem in Düsseldorf und anderswo auch den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst zur Verfügung. David Crosas Arbeitgeber, die GLS-Bank, ist schon länger mit dabei.

Wie wird ein Jobrad beantragt?

Der Antrag läuft über den jeweiligen Arbeitgeber. Entweder hat das Unternehmen bereits einen Vertrag mit einem Leasinganbieter geschlossen, oder ein Arbeitnehmer schlägt es vor. Für die Beantragung muss man sich in einem Online-Portal anmelden und dort ein Angebot eines mit dem Anbieter zusammenarbeitenden Händlers für das Fahrrad oder E-Bike seiner Wahl hochladen. Das muss der Arbeitgeber dann nur noch freigeben.

„Der Aufwand ist überschaubar“, sagt Crosa. Gerade für den Arbeitgeber, der bis auf die Anmeldung eigentlich nichts mehr zu tun hat. Der könne dann allerdings noch entscheiden, ob er zusätzlich eine Versicherung abschließt. Auch die Händlersuche sollte nicht allzu schwerfallen. „Ich glaube, dass es sich die Händler gar nicht mehr erlauben können, das nicht anzubieten.“ Crosa weiß, wovon er spricht. Er selbst hilft auf Minijob-Basis einmal wöchentlich beim Radausstatter „Schicke Mütze“ in Pempelfort aus.

Was kostet ein Jobrad?
Der Preis für das Fahrradleasing hängt von mehreren Faktoren ab. Dem Fahrrad oder E-Bike, der eigenen Gehalts- und Steuerklasse sowie dem jeweiligen Anbieter. Die Leasingrate für das Rad wird direkt vom Bruttolohn abgezogen, dadurch ergibt sich ein steuerlicher Vorteil. Nach drei Jahren kann das Fahrrad dann für rund 15 bis 18 Prozent des Neupreises übernommen werden. David Crosa hat sein erstes Leasing-Fahrrad bereits vor zwei Jahren bekommen. Das System gefiel ihm so gut, dass er gleich sein zweites Jobrad beantragt hat. Aktuell bezahlt er für ein Faltrad, dass er nur für die Arbeit geleast hat – weil er es kostenlos im ICE zu Terminen mitnehmen kann.

Bei Crosa sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

Unverbindliche Preisempfehlung für das Fahrrad: ca. 2000 Euro
monatlicher Bruttoabzug (Leasingrate): ca. 58 Euro
tatsächliche Nettobelastung: ca. 30 Euro x 36 Monate = ca. 1080 Euro
Übernahme des Rades nach 36 Monaten: ca. 360 Euro

Lohnt sich das?
In Crosas Rechnung sind zwei Dinge noch nicht berücksichtigt: Dass er durch den Bruttoabzug auch rund fünf Euro im Monat weniger in die Rentenkasse einzahlt; und dass das Finanzamt davon ausgeht, dass das Fahrrad bei der Übernahme noch 40
Prozent des Ursprungswerts besitzt – diese Differenz muss als geldwerter Vorteil pauschal mit 25 Prozent versteuert werden. Dennoch lohnt sich das Konzept für ihn finanziell. Da der Preisvorteil immer individuell ist, bieten die Unternehmen in der Regel Online-Rechner an, in die Interessierte den Radpreis, ihr Gehalt und ihre Steuerklasse eintragen können.

Dass Crosa Geld spart, sei für ihn nicht der entscheidende Aspekt gewesen. Es sei aber „ein ganz gutes Angebot“. Vor allem für diejenigen, die sich anders als er für ein E-Bike entscheiden und den deutlich höheren Kaufpreis nicht auf einmal stemmen wollen oder können. Dann ist das Leasing die Art von Ratenzahlung, bei der man nicht draufzahlt, sondern in der Regel sogar Geld spart.

Anbieter wie „Jobrad“ profitieren von dem Einkaufsrabatt, den sie von den Händlern verlangen. Das sind, abhängig vom jährlichen Volumen, zwischen vier und sechs Prozent des eigentlichen Preises. Für Händler ist das Geschäft daher ein zweischneidiges Schwert. Sie profitieren durch neue Kunden, die sich sonst vielleicht kein teures Rad oder E-Bike geleistet hätten. Sie müssen aber auch teils empfindliche Einbußen bei der Gewinnmarge hinnehmen.

Was gibt es noch zu beachten?
„Ich würde das prinzipiell jedem empfehlen, der ein Fahrrad braucht, aber knapp bei Kasse ist. Da spricht nichts dagegen“, sagt David Crosa. Jeder Arbeitnehmer sollte aber bedenken, dass er sich mit dem Leasing prinzipiell auf drei Jahre bindet. Falls der Vertrag vorzeitig beendet wird, ob durch Jobwechsel oder aus anderen Gründen, könnte es teurer und umständlicher werden. Mitunter werden dann auch Ausgleichszahlungen fällig. „Einer Person, die bald wechseln will, würde ich es nicht empfehlen.“ Teuer kann es auch werden, wenn das Fahrrad unversichert ist und geklaut wird. Dann muss der Arbeitnehmer den Restwert erstatten.

Die Höhe der Ersparnis ist zudem individuell und sollte daher immer für den Einzelfall geprüft werden. Gerade wer nicht Vollzeit arbeitet, könnte durch die geringere Steuerbelastung auch deutlich weniger profitieren. Da der Vertrag immer über den Arbeitgeber läuft, ist außerdem ein rein privater Vertragsabschluss in der Regel nicht möglich. Selbstständige können höchstens über ihr eigenes Unternehmen Vertragspartner der Anbieter werden.

Hilft das Jobrad auch bei der Verkehrswende?
Crosa nutzt sein Fahrrad im Alltag für den Weg zur Bahn und von der Bahn in sein Bochumer Büro. Seitdem er sein Faltrad least, ist er auch bei seinen Dienstreisen vor Ort in der Regel auf zwei Rädern unterwegs. Seine Frau und er haben ohnehin kein Auto, teilen sich nur mit Freunden einen VW-Bus zum Reisen. Sie sind immer schon Fahrrad gefahren, nun eben noch ein wenig mehr. „Bei uns hat sich nicht viel verändert.“

Bei seinen Kollegen sehe das aber zum Teil anders aus, vermutet er. Mittlerweile nutze wohl rund jeder Zweite im Unternehmen das Radleasing-Angebot. Lachend fügt Crosa hinzu: „Da fahren auch echt viele leider E-Bike.“ Das seien dann nicht nur die klassischen Fahrradfans wie er, sondern auch solche, die vorher eher mal mit dem Auto gefahren sind. „Ich glaube, die Menschen lassen sich so schon vom Umstieg überzeugen.“

Crosa selbst wird das Angebot weiter nutzen. Er würde sich nur gleich für ein höherwertiges Fahrrad entscheiden, statt es nachher selbst noch aufrüsten zu müssen.

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