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E-Scooter sind Teil der Lösung, nicht des Problems

Die batteriebetriebenen Roller werden in der Politik und Teilen der Stadtgesellschaft vorwiegend negativ gesehen. Dabei sind sie eines der wenigen alternativen Verkehrsmittel, auf das die Düsseldorfer:innen freiwillig umsteigen. Deshalb plädiere ich für einen anderen Blick auf sie.

Veröffentlicht am 14. August 2023
Sharing Station E-Roller
Es geht auch ordentlich: Unserer Foto zeigt eine Sharing-Station mit zahlreichen E-Scootern an der Benrather Straße. Foto: Andreas Endermann

Ich bin noch nie mit einem E-Scooter gefahren. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich es je tun werde, ist etwa so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass ich in diesem Leben noch Waldhorn spielen lerne. Meine Sorge ist zu einfach zu groß, dass ich der erste Mensch bin, der darauf nicht cool aussieht und der bei besten meteorologischen Bedingungen auf völlig freier Strecke und ohne Fremdeinwirkung seine Fahrt mit einer Gesichtsbremse beendet. Ich schreibe das, weil ich hier für E-Scooter argumentiere, dies aber frei von eigenen Vorlieben.

Auslöser für dieses Plädoyer war ein Mittwochnachmittag auf dem Lastring. Ich war mit dem Fahrrad von Flingern nach Oberbilk unterwegs. Am Höherweg tauchte ein Mann mit E-Scooter vor mir auf, dessen orange-farbene Kleidung ein klares Zeichen war, dass er bei der Awista arbeitet. Er hatte offenbar Feierabend und fuhr nach Hause. Wenig später wuchs die Reihe um eine rollerfahrende Frau mit Rucksack. Sie wirkte, als käme sie aus dem Büro und habe nun Dienstschluss. Am Ende waren vier Menschen auf vier E-Scootern vor mir – ein Feierabendverkehr der batteriebetriebenen Version.

Ich musste in diesem Moment an die alleinerziehende Krankenschwester denken, die in politischen Debatten gerne herangezogen wird, wenn man ein vermeintlich anschauliches Bild sucht. Die Gegner der Parkgebühren-Erhöhung zum Beispiel argumentierten mit einer fiktiven alleinerziehenden Krankenschwester, die sinnbildlich für Menschen mit kleinerem oder mittlerem Einkommen steht. Diese werde durch die höheren Gebühren enorm belastet und habe keine Alternative zum Auto, hieß es in jener Debatte.

Nun gehört dem Verkehrsausschuss weder eine Krankenschwester noch jemand aus der vermeintlich betroffenen Bevölkerungsgruppe an. Mein Gedanke nach dem beschriebenen Nachmittag am Lastring war deshalb, dass die Politiker:innen mit Lebenssituationen argumentierten, die sie gar nicht kennen. Es könnte gut sein, dass viele Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen gar nicht von höheren Parkgebühren betroffen sind, sondern zum Beispiel auf E-Scootern ihre Wege absolvieren. Und es könnte gut sein, dass hier ein Beitrag zur Verkehrswende erfolgt, den man nicht wahrnimmt, weil diese gesellschaftlichen Gruppen nicht im Rathaus repräsentiert sind.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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