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Drei Chancen, die der Abgang des Rheinbahn-Chefs eröffnet

Klaus Klar ist nicht länger Vorstandsvorsitzender des Verkehrsunternehmens. Die beiden verbliebenen Vorstände übernehmen und könnten das Unternehmen jünger, weiblicher und für andere Arbeitnehmer:innen interessant machen.

Veröffentlicht am 31. Juli 2023
Stephan Keller und Klaus Klar
Oberbürgermeister Stephan Keller (links) und der nun ehemalige Rheinbahn-Chef Klaus Klar bei der Präsentation eines neuen Zugs im Mai 2022. Das Modell musste kurz danach aufgrund technischer Probleme vorübergehend wieder aus dem Betrieb genommen werden. Foto: Andreas Endermann

Im September 2016 feiert Klaus Klar 40 Jahre bei der Rheinbahn. Es ist ein großes Fest auf dem Betriebshof in Heerdt. Die Gäste stehen Schlange, um dem Mann zu gratulieren, der als 16-Jähriger seine Ausbildung im Unternehmen begann. Es wird viel umarmt und geherzt. Klaus Klar sagt immer wieder, er wolle keine Geschenke, man möge stattdessen doch bitte die wohltätigen Initiativen anschauen, die einen Stand auf dem Fest haben und die er so unterstützen möchte. Ich sehe, dass Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen für Getränke sorgen und mit Tabletts unterwegs sind. Einen von ihnen frage ich, ob sie dazu verpflichtet worden wären. „Nein, für den Klaus machen wir das gerne“, sagt er. Der Klaus ist zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre Vorstand der Rheinbahn.

Im Juli 2023 veröffentlichen die Rheinbahn und Oberbürgermeister Stephan Keller je eine Stellungnahme. Darin steht, dass Klaus Klar nicht länger Vorstandsvorsitzender ist und man ihm für seine Arbeit dankt. Die eine Mitteilung besteht aus fünf Sätzen, die andere aus drei – nach nun fast 47 Jahren im Unternehmen.

In solchen Fällen kann es immer sein, dass jemand aus gesundheitlichen oder familiären Gründen ausscheidet und man darüber schweigt. Dann wäre es nicht angemessen, seine Leistung kritisch zu beleuchten. Nach allen Gesprächen, die ich zu diesem Abgang geführt habe, scheinen persönliche Aspekte nicht dessen Ursache zu sein.  

Die Kürze der Stellungnahmen ist ein Zeichen dafür, dass sich zwischen dem oben beschriebenen Fest und der Gegenwart etwas deutlich verändert hat. Es war einst die Stärke von Klaus Klar, so tief im Unternehmen verwurzelt zu sein und auch als Vorstand einen Draht zur Belegschaft zu haben. Doch diese Stärke hat sich ins Gegenteil gedreht. Die Rheinbahn hat Probleme, Kund:innen zu gewinnen. Bei neuen Fahrzeugen hatte man zuletzt stets mit technischen Pannen zu kämpfen, so funktionierten zum Beispiel bei neuen Straßenbahnen gerade die Scheibenwischer nicht. Außerdem musste die Rheinbahn ein Projekt verschieben, mit dem sie Fahrpläne und Verbindungen neu ordnen wollte („Rheintakt“).

Stadtspitze und Politik trauen Klaus Klar offenbar nicht zu, diese Entwicklung zu ändern. Der Respekt für seine Verdienste geht nur noch so weit, dass man ihm in den offiziellen Mitteilungen die aktive Rolle überlässt („auf eigenen Wunsch“). Das erscheint mir zweifelhaft, weil Klaus Klar Ende Juni noch zum Vorsitzenden der Haftpflichtgemeinschaft Deutscher Nahverkehrs- und Versorgungsunternehmen gewählt worden war – für drei Jahre. Und weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass er im September 2026 gerne ein Fest zu 50 Jahren bei der Rheinbahn gefeiert hätte. Letztlich war der Druck aus dem Rathaus aber offenbar so hoch, dass man sich auf einen Aufhebungsvertrag einigte.

An der Spitze stehen nun die beiden anderen Vorstände: Annette Grabbe (Finanzen) und Michael Richarz (Technik und Betrieb). Letzterer dürfte kaum Chancen haben, zum Vorstandsvorsitzenden befördert zu werden. Auch ihm wird ein Teil der genannten Probleme angelastet. Als vor kurzem seine Vertragsverlängerung anstand, war diese fraglich. Schließlich wurden ihm drei weitere Jahre zugestanden.

Annette Grabbe ist erst seit Anfang April bei der Rheinbahn. Sie ist folglich unbelastet und gilt als aussichtsreiche Kandidatin für den höchsten Posten. Ob es neben den beiden genannten erneut einen dritten Vorstand gibt oder die Aufgaben des Arbeitsdirektors auf die beiden aufgeteilt werden, soll in Ruhe entschieden werden. Die Rheinbahn hat lange Zeit zwei Vorstände gehabt, viele Kenner:innen des Hauses halten das für ausreichend.

Wenn eine dritte Person hinzukommt, wird dies der erste Maßstab sein, ob nun einen Umbruch gelingt. Es gibt im Unternehmen Menschen, die gerne auf einen solchen gut bezahlten Posten kämen. Eine solche interne Lösung würde eine Fortsetzung des bisherigen Kurses bedeuten. Für eine neue Rheinbahn-Politik bräuchte es eine externe Lösung. Findet man diese oder bleibt es bei zwei Vorständen, dann bietet das drei große Chancen:

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