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Die kuriose Crash-Kreuzung

Zwei- bis dreimal pro Monat kommt es auf der Kreuzung Seestern zu einem Unfall. Der Grund ist auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Veröffentlicht am 19. April 2022
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Dieser Unfall ist typisch für den Seestern: Zwei beteiligte Fahrzeuge, ein Fahrer hat die Verkehrsregelung nicht verstanden und ist mit dem anderen zusammengeprallt. Foto: Hans Onkelbach

Es ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Düsseldorfs, täglich rollen tausende Fahrzeuge hinüber, hinzu kommen Radler und Fußgänger: die Kreuzung Seestern. Aber sie ist gefährlich. So gefährlich, dass es häufig zu Unfällen kommt. Die Ursache ist niemals zu hohes Tempo, sondern eine ungewöhnliche Ampelschaltung und Verkehrsführung.

Der Knotenpunkt
Der so genannte Seestern ist kein Düsseldorfer Stadtteil, sondern ein Büroviertel im Dreieck Heerdt, Niederkassel, Lörick. Mehrere tausend Menschen arbeiten dort, es gibt vergleichsweise wenige private Wohnungen, aber einige Hotels und Sportvereine. Über den Seestern führt in Nord-Süd-Richtung die Pendlertrasse aus Richtung Meerbusch über Oberkassel in die Düsseldorfer Innenstadt. Die West-Ost-Querung bildet die B 7 (verlängerte A 52) aus Richtung Kaarster Kreuz zur Theodor-Heuss-Brücke. Die eigentliche Kreuzung liegt oberhalb der B 7, von der es jeweils in alle Fahrtrichtungen Zu- und Abfahrten gibt.

Die Kreuzung
Der obere Teil dieser Straßenkonstruktion bildet die Kreuzung. Aus der Luft betrachtet sieht sie aus wie eine Raute aus jeweils zweispurigen Fahrbahnen. In der Mitte ist das Konstrukt offen. Die Kreuzung wird durch insgesamt acht Ampelanlagen plus Fußgängerampeln gesteuert. Es gibt jeweils zwei Geradeaus- und eine Abbiegespur. Diese werden synchron beziehungsweise zeitlich nur kurz versetzt durch Grün zeigende Ampel freigeschaltet.

Das Problem
Die Ampeln springen teilweise nicht, wie man es sonst gewöhnt ist, von Rot und Gelb auf Grün, sondern sie erlöschen. Das heißt: „Ampel aus“ bedeutet „Man darf fahren“. Das jedoch verwirrt Ortsfremde, und sie stoppen mitten im Kreuzungsbereich. Zudem gibt es eine abrupt endende Grüne Welle ums Eck. Ich erkläre das an einem Beispiel: Wer aus Richtung Kaarster Kreuz in die Kreuzung einfährt und nach links ins Bürogebiet Seestern will, fährt an der ersten Ampel bei Grün los, hat an der zweiten auch noch Grün und kommt dann aber auf eine Ampel zu, die Rot zeigt. Ähnlich ist es in der Gegenrichtung: Aus dem Bürogebiet kommend und zur Theodor-Heuss-Brücke fahren heißt zweimal Grün, einmal Rot. Das übersehen manche und krachen in den Querverkehr.

Die Folgen
Ich habe die Zahlen vom 1. Januar 2020 bis heute angeschaut. In dieser Zeit – also 27 Monaten – kam es zu 55 Unfällen. Sie sind ungleich über die Wochen verteilt, aber die zeitlichen Höhepunkte im Laufe des Tages liegen eindeutig zwischen 6 und 9 sowie 12 bis 15 Uhr. Meist bleibt es bei Blechschaden, die Polizei hat die Schäden bei den Crashs auf rund 630 000 Euro geschätzt und summiert. Einmal wurde eine Person verletzt, die meisten Beteiligten blieben ohne Blessuren. Zudem dürfte die Kreuzung einer der Bereiche mit ziemlich neuen Ampelmodellen sein, weil sie immer wieder bei Unfällen beschädigt oder zerstört werden.

Fazit und Vorschlag
Der Seestern gehört nach der absoluten Zahl der Zusammenstöße nicht zu den Unfallschwerpunkten der Stadt, am Mörsenbroicher Ei, am Nordstern oder auf der Kreuzung Ellerstraße/Kruppstraße kracht es häufiger und mit schlimmeren Folgen für die Menschen. Allerdings ist der Verkehr an diesen genannten Knoten intensiver. Relativ gesehen ist die Zahl der Unfälle am Seestern also durchaus hoch.
Zu entschärfen wäre der Knotenpunkt nur durch eine deutlichere Verkehrsführung und andere Ampelschaltungen, bei der auch Ortsfremde nicht verwirrt und verunsichert werden. Also:
– normales Ampellicht Rot, Gelb, Grün
– auf der Straße aufgebrachte Hinweise
– und eine klarere Beschilderung.


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