fbpx

Tabuthema Stuhlgang: Das Pink-Prokto-Team hilft – aber nur Frauen

Inkontinenz, Hämorrhoiden, Analfisteln – der Gang zum Arzt ist für viele Patientinnen fast so unangenehm wie die Krankheit selbst. Sie leiden lieber, als sich helfen zu lassen. Drei Ärztinnen bieten daher eine auf diese Betroffenen ausgerichtete Sprechstunde an, um ihnen Scham und Angst zu nehmen.

Veröffentlicht am 1. August 2023
Pink Prokto
Julia Ochs, Victoria Fernandez-Jesberg und Clementine Kim (von links) haben sich darauf spezialisiert, ausschließlich Frauen zu beraten. Sie wollen Scham und Angst minimieren. Foto: Markus Luigs

Ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes hatte Lena* immer noch das Gefühl, dass ihr Körper nicht mehr derselbe war. Sie hatte Schmerzen im Becken und saß ewig auf der Toilette, ohne dass irgendetwas passierte. Lange dachte sie sich nichts dabei: „Viele Frauen haben nach der Geburt Probleme mit dem Beckenboden. Ich dachte, das wäre normal“, sagt die 41-Jährige. Dann wurde es schlimmer, irgendwann traute sie sich nicht mehr auf die Toilette. Als sie nicht mehr weiterwusste, vertraute sie sich endlich ihrer besten Freundin an. Eine große Überwindung: „Man spricht heute über vieles, aber Tabuthemen gibt es immer noch. Stuhlgang gehört dazu“, sagt sie.

Ich habe mich so geschämt
Lenas Freundin riet ihr, sich Hilfe zu holen. Sie suchte im Internet, doch mit ihren Anforderungen war es nicht so einfach: Sie wollte ausschließlich von einer weiblichen Ärztin behandelt werden und nicht in ihrer Heimatstadt Köln. „Ich habe mich so geschämt und wollte auf keinen Fall auf jemanden treffen, den ich kenne“, sagt sie. Zufällig stieß sie auf ein Ärztinnen-Team aus Düsseldorf. Victoria Fernandez-Jesberg, Clementine Kim und Julia Ochs arbeiten im Proktologischen Zentrum des Marienhospitals und gründeten vor zwei Jahren „Pink Prokto“. Ein Angebot für Frauen von Frauen, die sich mit Problemen „rund um den Po“ befassen: Analfisteln, Hämorrhoiden, Verstopfung, Stuhlinkontinenz und andere Enddarmerkrankungen gehören zum Alltag der drei Ärztinnen.

Und genau so behandeln sie die Probleme ihrer Patientinnen, die sich oft monatelang nicht trauen, einen Termin zu vereinbaren, auch: „Wir alle essen, trinken und müssen zur Toilette. Es gehört zum Leben dazu und ist das Normalste der Welt“, sagt Fernandez-Jesberg. Und trotzdem sitzen in den Pink-Prokto-Sprechstunden vorwiegend Frauen mit denselben Hemmungen: Junge Mütter, die sich jahrelang mit Geburtsschäden quälen, und ältere Frauen, die immer noch mit den Folgen einer Geburt zu kämpfen haben. „Uns Frauen wird früh beigebracht, Schmerzen auszuhalten und sie hinzunehmen.“

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

Da unser Journalismus werbefrei und unabhängig ist, können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Deshalb bitten wir Sie an dieser Stelle darum, unsere Arbeit zu unterstützen und eines unserer Abos abzuschließen oder diesen Artikel einzeln zu kaufen. Sie können per Paypal, Sepa-Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen.

Start-Abo: 6 Monate für 1 Euro

Artikel einzeln kaufen

Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?

Hier einloggen


Lust auf weitere Geschichten?