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Saitta und Muggel wollen ins Blumenhäuschen am Barbarossaplatz

Das kleine Gebäude gehört der Rheinbahn, vor Jahrzehnten war es eine Verkaufsstelle für Fahrkarten, zuletzt wurden dort Rosen, Nelken und Tulpen angeboten. Nun steht es leer. Mehrere Gastronomen sind interessiert, es zu bewirtschaften.

Veröffentlicht am 23. Mai 2023
Pavillon Barbarossaplatz
Klein, hübsch und sehr begehrt - das alte Fachwerkhäuschen am Barbarossaplatz mitten in Oberkassel. Foto: Andreas Endermann

Der Barbarossaplatz in Oberkassel – ein weit über Düsseldorf hinaus bekanntes Zentrum für alles, was man unter Kulinarik versteht. Nicht nur im Sommer ist er gut besucht und vor allem in Messezeiten voll mit Besuchern. Platzhirsche sind die beiden Brüder Saitta: Giuseppe (nebenbei noch für die CDU im Stadtrat) hat dort eine Trattoria, ein Restaurant und eine Pizzeria. Sein Bruder Michelangelo lädt seine Gäste schräg gegenüber ins Saittavini an der Ecke Luegallee. Neu an der Adresse ist Jenny Hülsmann, die voriges Jahr mitten im Imperium der beiden Brüder ihr kleines Bistro „Chez Lio“ eröffnete. Zur Historie des Areals und des gesamten Stadtteils gehört das Muggel, benannt nach einem Düsseldorfer Original aus dem späten 19. Jahrhundert (dem Wilddieb Muggel, bürgerlich Johann Muckel) – eine bis heute höchst lebendige gastronomische Legende, in der sich sehr junges Publikum und in die Jahre gekommene Stammgäste den ganzen Tag über bis in die Nacht treffen. Der Ruf des Muggel als stets gut angeheizte Kontaktschmiede war und ist bekannt.

Nun kommt erneut Bewegung in die Szene. Denn am nördlichen Rand des Platzes, direkt an der Luegallee, gibt es ein kleines Fachwerkhaus – Idylle pur mitten im Stadtteil. Darin sitzt seit etlichen Jahren ein Blumenladen, der mit seinem üppigen Angebot vor der Tür die Optik des Platzes prägte. Für viele Oberkasseler, aber auch für Pendler war er eine bequem zu erreichende Adresse für Rosen und Co. Inzwischen hat das Geschäft geschlossen und die Immobilie braucht einen neuen Mieter. Der wird sich leicht finden lassen, denn großes Interesse ist auf jeden Fall vorhanden. Man könnte auch sagen: Mehrere Wirte beäugen den hübschen Solitär seit langem und haben auf die Gelegenheit gewartet, ihn in ihr Reich zu integrieren. Nun haben sie die Chance, und es heißt, ein paar Bewerber hätten sich bereits beim Eigentümer Rheinbahn beworben.

Bestätigt sind die Namen nicht, aber aus einer sicheren Quelle höre ich, dass Giuseppe Saitta, unmittelbarer Nachbar und Platzhirsch, sein Angebot dort gern ausweiten würde und den Hut in den Ring geworfen hat. Angeblich möchte er aus dem Mini-Haus ein Eis-Café machen, in Kooperation mit zwei Fachleuten, die – ebenfalls linksrheinisch – bereits eine Gelateria betreiben. Es wäre aber auch denkbar, dass Saitta das Objekt nutzt, um vor allem während der Sommermonate seine Fläche auf dem Platz besser bespielen zu können. Als zweiter Bewerber wird das Muggel genannt. Seine sehr kleine Terrasse vor dem Stammhaus an der Dominikanerstraße/Ecke Barbarossaplatz ist selbst im Winter meist besetzt, aber man könnte leicht die schräg gegenüber liegende Immobilie noch mit bewirtschaften und die Kapazitäten steigern.

Außerdem gilt der Düsseldorfer Gastronom Walid El Sheikh als sehr interessiert. Er versucht gerade, auf der Sonderburgstraße (also quasi um die Ecke) Fuß zu fassen und plant dort die Eröffnung einer Weinbar in einem ehemaligen Ladenlokal. Aber er stößt auf heftigen Widerstand der Nachbarn. Sie fürchten, immer mehr zur Ausweichadresse für Partygänger aus der Altstadt zu werden, denen es dort zu krawallig geworden ist. Walid El Sheikh ist ein äußerst aktiver Gastwirt, er betreibt die Elephant Bar (Kurze Straße), Sir Walter (Heinrich-Heine-Allee), The Paradise Now (Hammer Straße/Hafen), die Boston Bar, Mezcaleria Rojo und Fett Weinbar (alle drei Hunsrückenstraße).  

Das Objekt der Begierde am Barbarossaplatz ist ein kleines Haus mit großer Geschichte. Sie geht zurück auf die Zeit, in der 1898 die Rheinische Bahngesellschaft von Heinrich Lueg gegründet wurde. Gemeinsam mit der Stadt Krefeld schuf man eine Verbindung über den Rhein in die Stadt Düsseldorf, in diesen Jahren muss auch diese Verkaufsstelle entstanden sein. Anders gesagt: Da mit der Entwicklung der Bahnlinie auch Oberkassel zu einer wirklichen Siedlung und ab 1909 zu einem Stadtteil von Düsseldorf wuchs, kann man dieses Häuschen als eine Art Keimzelle des Viertels sehen.

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