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Rasenmäher für 83.000 Euro – aber es ist nicht alles Golf, was glänzt

Der Golf-Club Hubbelrath will 25.000 Euro städtischen Zuschuss für eine Maschine. Das wird Empörung auslösen. Schuld daran ist der Verein selbst, denn nach außen vermittelt er immer noch ein luxuriös-elitäres Bild. Dabei plagen ihn tatsächlich Geldsorgen.

Veröffentlicht am 29. November 2022
Golfclub Hubbelrath
Teile des Maschinenparks im Golf-Club Hubbelrath. Für das rund 100 Hektar große Gelände braucht man mehrere Dutzend Maschinen. Foto: Andreas Endermann

Der Antrag
25.000 Euro Zuschuss möchte der Golf-Club Hubbelrath als städtischen Zuschuss für den Kauf eines neuen Rasenmähers haben. Darüber wird am 30. November der Sportausschuss entscheiden. Die Maschine kostet rund 83.000 Euro. Ein besonderes Gerät, aber angesichts spezieller grüner Flächen mit hohem Anspruch (konstant drei bis sechs Millimeter Schnitthöhe) nachvollziehbar. Der Zuschuss, würde er gewährt, wäre rechtens. Wie jeder andere Sportverein können auch die Golfer um Hilfe bitten. Vor knapp sechs Jahren taten sie das schon einmal, damals ging es um 44.000 Euro. Auch das war formal-juristisch okay. Allerdings änderte die Stadt wegen dieses Antrags die Richtlinien und senkte die maximale Zuschuss-Summe – auf eben 25.000 Euro.

Die Debatte
Damals entstand dieser Vorwurf: Ein Club voller Millionäre will Hilfe aus Steuergeldern. Mit dem erwähnten Ergebnis. Der Verein wehrte sich und argumentierte, man habe enorme Kosten, tue viel für den Naturschutz und die Jugendarbeit. Außerdem sei Golf längst kein Sport mehr nur für Reiche. Daher sei die finanzielle Unterstützung angebracht. Nun flammt diese Debatte erneut auf.

Der Außenauftritt
Beim Golf-Club Hubbelrath ist klar: Der Eindruck, sehr exklusiv – ergo: wohlhabend zu sein, ist auch Ergebnis des nach draußen vermittelten Bildes. Auf der Internet-Seite dominieren Fotos der riesigen, parkähnlichen Anlage mit einem auf einem Hügel darüber thronenden eleganten, großzügigen Clubhaus. Als Partner werden verschiedene Hotels aufgeführt, ganz oben der Breidenbacher Hof. Daneben steht eine Presse-Schau mit Fotos aus den üblichen Fach-Blättern der Schönen und Reichen, unter anderem die „Bunte“.

Die Lage
Der Club ist erfolgreich mit seinen Mannschaften und hat Preise abgeräumt für die Förderung des Nachwuchses. Allerdings vom Golfverband. Wie alle anderen hat er Probleme, junge Mitglieder in ausreichend großer Zahl anzulocken. Bei Jahresbeiträgen, die leicht bei 1500 bis 3000 Euro liegen können, ist das kein Wunder – auch wenn Jugendliche anfangs erheblich weniger zahlen. Sie wissen jedoch, dass sie als Erwachsene deutlich mehr einbringen sollen.

Selbst Gutverdienende werden angesichts der Gebühren ins Grübeln kommen: Ein Golf-Club aus dem Düsseldorfer Umland verlangt als Eintrittsgebühr 5000 Euro für Alleinstehende, 9000 Euro für ein Paar. Hinzu kommt dann noch der Jahresbeitrag. Die Einmalzahlungen am Anfang sind übrigens auch der Garant für stabile Mitgliederzahlen. Wer ausscheidet, erhält dieses Geld nicht automatisch zurück, je nach Satzung bleibt es beim Verein.

Der Hubbelrather Club sagt von sich, er habe rund 3100 Mitglieder, knapp 200 sind Jugendliche bis 18 Jahre. Damit ist er der größte in Düsseldorf. Seine Fläche liegt bei rund 100 Hektar, man hat zwei so genannte 18-Loch-Plätze plus reichlich mit Bäumen bewachsene Areale. Die Gebühren: 1500 Euro einmalig bei Eintritt, dann 1750 Euro pro Jahr (Erwachsene). Überall gilt: Die Plätze sind nur mit hohem Aufwand zu pflegen.

Die Folgen der Energiekrise
Die finanzielle Situation ist angespannt. Jedenfalls ist man in so großer Geldnot, dass man vor einigen Tagen bei einer Mitgliederversammlung verkündete, pro Mitglied 5000 Euro Umlage kassieren zu müssen. Besonders bitter für Paare oder Familien. Die Resonanz soll wenig erfreut gewesen sein. Wie alle anderen Vereine dieser Art leidet auch Hubbelrath vor allem unter den Energiekosten. Für Außenstehende schwer einzuschätzen, gibt es einen enormen Verbrauch.

Der Leiter eines nicht ganz so großen Geländes nahe Düsseldorf hat mir vorgerechnet, dass er auf seinem Gelände derzeit pro Jahr allein 50.000 Euro an Strom bezahlt. Vor allem die Beregnungsanlagen verbrauchen einen erheblichen Teil dieser Energie. Im Sommer laufen sie jede Nacht, um den perfekten Rasen auch weiter perfekt zu halten. Das Wasser holt man zwar meist kostengünstig aus eigenen Brunnen, aber die Elektrizität nagt am Etat, auch weil elektrische Maschinen geladen werden müssen und Sprit für Traktoren und Rasenmäher gekauft werden muss. Da sich der Fuhrpark schnell auf einige Dutzend Maschinen addiert, sind dafür große Summen aufzubringen. Darin sind die Steigerungen der nächsten Monate bei den Energiepreisen noch nicht berücksichtigt. Mit anderen Worten: Vereine dieser Art mit diesem Aufwand an Platz, Material und Mitarbeitern fürchten, an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zu kommen.

Fazit
Wer sich so präsentiert, hat es schwer, überzeugend darzulegen, durchaus auf Unterstützung aus öffentlichen Kassen angewiesen zu sein. Der Antrag auf Zuschuss für den 83.000-Euro-Rasenmäher mag legal sein, aber ihn zu stellen ist angesichts des nach außen getragenen Bildes unklug. Vereine wie der in Hubbelrath mögen wirklich gut sein in Landschaftspflege und Jugendarbeit, vielleicht sogar unter steigenden Energiekosten leiden. Aber vor allem haben sie ein Imageproblem – und das ist hausgemacht.

Zudem stecken sie in einem Dilemma: Sie sind auf gut betuchte Mitglieder angewiesen, deren Großzügigkeit in diesen Zeiten allerdings schwindet. Einem Teil dieser Klientel ist jedoch die imageprägende Exklusivität wichtig. Das unter einen Hut zu bringen mit der Notwendigkeit, neue Mitglieder zu finden, ist – sagen wir: sportlich. Aber sicher leichter, als ein „Hole in one“ zu schaffen. (Für Nicht-Golfer: den Ball vom Abschlag direkt ins Loch zu schlagen.)


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