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Die NFL spielt nicht in der Arena: Gründe und Resthoffnungen

Die US-Profiliga im American Football hat Spiele nach Deutschland vergeben. Düsseldorf war im Rennen, den Zuschlag aber haben München und Frankfurt bekommen. Ich erkläre, was das mit Fortuna und einem fehlenden Extra zu tun hat.

Veröffentlicht am 11. Februar 2022
Arena DŸsseldorf
Auf dem Rasen der Düsseldorfer Arena werden in den nächsten Jahren keine American-Football-Profis aus der NFL spielen. Foto: Andreas Endermann

Das Wort Rahmenbedingungen ist wahrlich kein schönes, es spielt in diesem Artikel aber trotzdem die Hauptrolle. Die amerikanische Football-Profiliga NFL hat am Mittwochabend erklärt, dass sie in den nächsten Spielzeiten jeweils eine Partie in Deutschland austragen wird, mal in München, mal in Frankfurt. Düsseldorf hatte sich ebenfalls beworben, landete auf dem dritten Platz und bekam folgende Erklärung vom Europa-Chef der NFL, Brett Gosper, dazu: „Wir danken auch der Stadt Düsseldorf, die uns ebenfalls sehr gute Pläne präsentiert hat. Wir freuen uns darauf, auch dort eine Partnerschaft aufzubauen, und weiterhin an der Möglichkeit zu arbeiten, die Rahmenbedingungen für NFL-Spiele zu schaffen.“

Wenn Brett Gosper nur hätte freundlich sein wollen, hätte er seine Aussage nach dem ersten Punkt beendet. Dank für die Präsentation guter Pläne hätte dann gereicht. Sein zweiter Satz enthält zwar auch eine doppelte Einschränkung (an Möglichkeit arbeiten und Rahmenbedingungen schaffen), dennoch berechtigt sie mindestens zu einer Rest-Hoffnung. Eines Tages, frühestens, wenn die vier München-und-Frankfurt-Jahre rum sind, könnte auch in Düsseldorf ein Ligaspiel der NFL stattfinden.

Was also sind die Rahmenbedingungen, die noch nicht gegeben sind? Auf jeden Fall die folgenden vier:

  1. Verbesserungen in der Arena

Ein Spieltag der NFL ist mit viel Rahmenprogramm und einer sehr aufwändigen, weltweiten Übertragung im Fernsehen und im Internet verbunden. Selbst wenn das schlechteste Team gegen die zweitschlechteste Mannschaft der Liga spielt, sind Interesse und Einschaltquoten hoch. Dafür sind in der hiesigen Arena heute noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt. Nach allem, was aus den Gesprächen zwischen Düsseldorf und der NFL zu hören war, hätte Düsseldorf investieren müssen, zum Beispiel in die Digitalisierung. Je nach Schätzung ging es dabei um einen hohen einstelligen Millionen Betrag oder sogar zehn Millionen Euro. Keine Kleinigkeit, aber wenn es ausschließlich darum gegangen wäre, hätte man diese Rahmenbedingung ziemlich sicher schnell schaffen können.

2. Das Problem mit Fortuna

Wenn man nochmal auf die Zitate schaut, die rund um die Entscheidung der NFL zu lesen waren, dann fällt etwas auf. In München haben sich der Oberbürgermeister und der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Oliver Kahn, geäußert. Am Main waren es der städtische Sportdezernent und der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, Axel Hellmann. Kurz: In den anderen Bewerberstädten wollten alle die NFL-Spiele, in Düsseldorf nur „viele“.

In München und Frankfurt haben sich die Städte und ihre großen Fußball-Klubs um die NFL-Spiele bemüht, in Düsseldorf ausschließlich die Stadt. Aus Reihen der Fortuna waren eher Sorgen um die Folgen für den Rasen in der Arena zu hören. Der FC Bayern und die Eintracht haben die Chancen gesehen, sich international zu vermarkten. Wenn die NFL das Spiel aus Deutschland in die Welt überträgt, tauchen in dem Zusammenhang auch die deutschen Fußballklubs auf. Millionen Sportfans (und zwar Fans einer verwandten Sportart) lernen sie dadurch kennen. So gewinnen sie neue Anhänger, verkaufen mehr Fan-Produkte und erhöhen die Reichweiten für ihre Sponsoren. Das war und ist beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten Fortuna offenbar kein Thema.

In einem Text, in dem schon das Wort Rahmenbedingungen steht, soll nicht auch noch von Win-Win-Situationen die Rede sein. Aber die NFL hat in den anderen beiden Städten Gesprächspartner aus dem Profi-Fußball gehabt, die deutlich machen konnten, dass sie aus eigenem Interesse die Vermarktungsinteressen der NFL massiv fördern werden.

3. Das (noch) fehlende Extra

Für das Rahmenprogramm des NFL-Spiels hätte der Sportpark rund um die Düsseldorfer Arena reichlich Platz und auch eine gute Infrastruktur geboten. Letztlich unterscheidet sich die NRW-Landeshauptstadt damit aber nicht genug von den Mitbewerbern. Denn Flächen, um darauf Unterhaltung zu bieten, gibt es in München und Frankfurt auch. Düsseldorf könnte das aber bald ändern.

Es gibt immer noch die Idee, auf dem Messeparkplatz P1 ein Open-Air-Gelände zu schaffen. Corona hat die Veranstaltungsbranche so verändert, dass erst einmal wieder Normalität in das übliche Konzert- und Showgeschehen kommen muss. Und auch die Mehrheit im Düsseldorf Stadtrat ist skeptisch. Im Kooperationsvertrag von CDU und Grünen heißt es auf Seite 57: „Wir halten die Realisierung eines Open-Air-Geländes auf dem Messeparkplatz P1 für unwahrscheinlich. Sollte jedoch wieder Bewegung in das Projekt kommen, ist eine Fortsetzung nur unter strikter Berücksichtigung der Vorgaben des gesetzlich verankerten Natur- und Artenschutzes sowie der Belange des Lärmschutzes vorstellbar. Die Zahl der Baumfällungen muss auf das absolut unumgängliche Maß (höchstens 60) verringert werden.“

Sollte das Gelände aber kommen, würde es für die NFL eine Möglichkeit für ein Rahmenprogramm bieten, die es an anderen Standorten nicht gibt.

4. Geschichte ist leider nur Geschichte

Die Football-Fans in Düsseldorf hatten gehofft, dass die große Historie der Sportart in dieser Stadt ein gutes und gewichtiges Argument ist. Leider war das Argument nur gut, nicht gewichtig. Düsseldorf hat mit der schon 1978 gegründeten Mannschaft der Panther so viel American-Football-Tradition wie kaum eine andere deutsche Stadt. Und Düsseldorf hat auch mit seinem Team der ehemaligen europäische NFL-Liga, mit Rhein Fire, für tolle Erinnerungen gesorgt.

Aber die NFL ist die umsatzstärkste Profiliga der Welt, ein Unternehmen, das mehr als 13 Milliarden Dollar Jahresumsatz macht. Da ist für Geschichte und Romantik vor allem dann Raum, wenn auch die anderen Rahmenbedingungen stimmen.


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