fbpx

Meine Reise zu den Grenzen der Stadt

Wie sieht Düsseldorf dort aus, wo es beginnt? Ich bin zu den Ortsschildern der Stadt gefahren und habe weiße Lamborghinis, Handwerker auf E-Bikes und ein Mittelgebirge gesehen.

Von Sebastian Dalkowski
Veröffentlicht am 14. Oktober 2022
Ortseingangsschild Düsseldorf
Lässt sich nicht leugnen: Urdenbach ist ein Düsseldorf. Foto: Andreas Endermann

Oberlöricker Straße (Entfernung zum Düsseldorfer Rathaus: 5,7 Kilometer)

Ich kann die Farbe nicht genau benennen, mit der man den Bentley lackiert hat, also nehme ich mir die Freiheit heraus zu behaupten, dass es British Racing Green ist, obwohl es garantiert kein British Racing Green ist, eher ein Grau. Es passt bloß so gut. Ein Bentley in British Racing Green parkt also an der Gärtnerei. Später verlässt ein schwarzer Porsche die Stadt deutlich zu schnell. Der Fahrer saugt durch einen Strohhalm etwas aus einem Pappbecher. Noch etwas später folgt ein weißer Lamborghini mit heruntergeklapptem Verdeck. Der Wagen macht ein Geräusch, das verkündet: Seht her, ich bin’s. Das SUV-Aufkommen ist enorm. Sagte ich schon, dass wir in Düsseldorf stehen, an der Grenze zu Meerbusch?

Der erste Donnerstag im Oktober, 10 Uhr, hier geht sie los, meine Reise zu den Punkten der Stadt, an denen sie die Menschen hineinlässt, an denen sie den ersten Eindruck macht, an den Ortsschildern, die eigentlich Ortstafeln heißen. Landeshauptstadt Düsseldorf steht dort schwarz auf gelb, darunter der Stadtteil, Lörick. Wie also erscheint Düsseldorf hier? Welche Erwartungen weckt die Stadt, wenn man so tut, als habe man noch nie etwas von ihr gesehen oder gehört?

Eine schmale, zweispurige Straße führt nach Lörick hinein. Rechts liegen die Beete einer Gärtnerei. Am Rand des Gehwegs haben sich Gestrüpp, Dornen und Brennnesseln breitgemacht. Ich höre ein paar Bäume rauschen. Auf der linken Straßenseite liegt ein großes Grundstück, darauf mit einigem Abstand von der Straße die Baustelle eines Hauses. An der Fassade stehen Gerüste. Das Gebäude ist geschützt durch Mauern und Zäune. Ein Mann parkt sein Auto vor dem Grundstück, er ist Handwerker, lädt Dinge aus dem Kofferraum in eine Schubkarre und schiebt los. Auf dem linken Gehweg parken ein E-Roller und ein E-Bike des Anbieters mit dem drollligsten Namen. Weiter lörickeinwärts rotieren Anzeigen von Google, C&A und der Fernsehshow Skate Fever. Ein Mann zieht sein Einkaufswägelchen zur Bushaltestelle, eine Frau biegt mit ihrem Hund rechts auf die Büdericher Straße ab, die mit Büdericher Weg angemessener benannt wäre. Wenn die Ampel auf Rot springt, macht eine circa hundert Meter davor liegende weitere Ampel in orange darauf aufmerksam. Nur wenige Menschen verlassen oder erreichen die Stadt nicht mit dem Auto, ich sehe kaum Radfahrer und Fußgänger. Ein Straßendorf ist Düsseldorf hier, beschaulich, ohne schön zu sein. Bitte fahren Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Duisburger Landstraße (Entfernung zum Rathaus: 11,9 Kilometer)

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

Da unser Journalismus werbefrei und unabhängig ist, können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Deshalb bitten wir Sie an dieser Stelle darum, unsere Arbeit zu unterstützen und eines unserer Abos abzuschließen (ab 8 Euro pro Monat) oder diesen Artikel einzeln zu kaufen (2 Euro). Sie können per Paypal, Sepa-Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen.

Unsere Abos

Artikel einzeln kaufen

Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?

Hier einloggen


Lust auf weitere Geschichten?